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title: "Das Selbst auf der Bühne"
date: 2026-10-02
last_modified: 2026-10-02T10:32:47+02:00
generated_at: 2026-10-02T15:22:19Z
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description: "Die sozialen Medien sind voll davon: Menschen, die sich vor der Kamera in Szene setzen. Und nicht wenige nutzen die Riesenbühne für ihre Kunst. Im Museum Goch wird das Phänomen nun zum Ausstellungsthema. Die Schau heißt „Self on Stage“ und richtet den Fokus auf Frauen."
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# Das Selbst auf der Bühne

![Junge Frau in gelbem Kleid hält eine Frikadelle und ein Getränk vor blauem Himmel und Freizeitpark im Hintergrund.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/1-She-Waits-R_web.jpg)

Rachel Feinstein: She waits, 2022.

© R.Feinstein

# Das Selbst auf der Bühne

1 min Lesezeit

Die sozialen Medien sind voll davon: Menschen, die sich vor der Kamera in Szene setzen. Und nicht wenige nutzen die Riesenbühne für ihre Kunst. Im Museum Goch wird das Phänomen nun zum Ausstellungsthema. Die Schau heißt „Self on Stage“ und richtet den Fokus auf Frauen.

Sie entstellen mit Klebestreifen ihr Gesicht oder legen sich mit einem Spiegel auf die Wiese. Sie tauchen ab unterm blauen Faltenrock oder malträtieren ihren Rücken mit Wäscheklammern. Die weibliche Selbstinszenierung – Kurator und Foto-Experte Freddy Langer ist auf Umwegen zu diesem Thema gelangt. Bei seinen täglichen Instagram-Recherchen hätten sich immer mehr interessante Positionen aufgetan – eine Auswahl von gut 20 präsentiert er jetzt im Museum Goch.

![Körper mit Wäscheklammern an der Haut, kunstvoll und provokant arrangiert.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/Lia-Sophie-Laukant-Bittersweetness_web.jpg)

Lia Sophie Laukant: Bittersweetness. Inconveniences, 2020

![Eine Person in blauer Kleidung, die den Kopf verhüllt, vor einem gepunkteten Hintergrund.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/NinaRoeder_Omas_Falten_in_Blau_2020_web.jpg)

Nina Röder: Omas Falten in Blau, 2020

## Mit Post-its gegen den Male Gaze

Groß und knallig im Ausstellungsraum hängen etwa Arbeiten von Susanne Junker, die selbst lange als Model gearbeitet hat und nun mit Stickern oder Post-its auf ihrem nackten Körper gegen das Diktat des Male Gaze aufbegehrt. In eine andere Welt führt die US-Künstlerin Rachel Feinstein: In ihren nostalgisch anmutenden Rollenspielen tritt sie selbst gern in 50er-Jahre-Outfits auf. Schrill im Scheinwerferlicht, toupiert und geschminkt, wirkt sie dabei jedoch immer irgendwie abwesend – nicht sie selbst, dem Klischee ergeben. Eher performativ geht dagegen Isabelle Wenzel mit dem Genre Selbstporträt um, wenn sie mit erstaunlicher Körperbeherrschung in Beziehung zu ihrer Umwelt tritt. Den Kopf im Eimer, die Beine in die Luft: Wenzel ist ausgebildete Akrobatin.

„Self on stage“, der Ausstellungstitel, zitiert ein Hashtag. Doch was im Museum Goch versammelt ist, hat wenig gemein mit den geläufigen Social-Media-Motiven. Kein Glamour, keine heile Welt, kein Urlaubsglück, keine Gaumenfreuden – in der Schau wäre wohl kaum etwas instagrammable. Allenfalls mittelbar spielen diese Muster hier eine Rolle, denn gelegentlich sind kleine Spitzen auszumachen, ironische Sticheleien gegen die bei Insta &amp; Co. breit kursierenden, oft vom Male Gaze getriebenen, Bildcodes.

![Junge Frau in gelbem Kleid hält eine Frikadelle und ein Getränk vor blauem Himmel und Freizeitpark im Hintergrund.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/1-She-Waits-R_web.jpg)

Rachel Feinstein: She waits, 2022.

© R.Feinstein

![Ein Mädchen liegt in einer blühenden Wiese, umgeben von Gras und bunten Blumen.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/Loreal-Prystaj-Reflecting-on-Nature-4_web.jpg)

Loreal Prystaj, Reflecting on Nature 4, 2016

## Erinnerungen an die Gefechte von einst

Mehr als mögliche Bezüge zu Social Media interessiert in der Ausstellung etwas ganz anderes, recht naheliegendes: Der Abgleich der aktuellen Positionen mit der feministischen Avantgarde der 60er- und 70er-Jahre. Man denkt an Künstler\*innen wie Valie Export oder Ulrike Rosenbach. An Orlan und ihre radikalen „Schönheitsoperationen“ vor Publikum und laufenden Kameras. Oder an die rabiaten Fotovernähungen einer Annegret Soltau, die in Goch als eine Art Special Guest Erinnerungen an die erbitterten Gefechte von einst lebendig hält.

Was hat sich seither verändert? Die Kämpferinnen haben einiges erreicht. Mittlerweile ist die Situation von Künstlerinnen eine andere. Was sich auch in ihren Selbstbildern spiegelt. Man könnte sagen, dass sie etwas gefälliger wirken – weniger radikal, weniger politisch, weniger widerständig. Gleichzeitig sind sie aber auch individueller, vielfältiger und in mancher Hinsicht subtiler.

Offenbar hat die Suche nach eigenen künstlerischen Herangehensweisen in Zeiten der inflationären Selbstinszenierung an Reiz gewonnen. Es sind viele, die in Goch zusammenkommen, doch lassen sich ihre Arbeiten an der Museumswand leicht voneinander unterscheiden. Jede hat ihre eigene Sprache.

Und die Männer? Warum bekommen sie keine Stimme in der Ausstellung? Wo bleibt die männliche Selbstinszenierung? Da muss Freddy Langer nicht lange überlegen: Die Selbstbilder der Männer interessierten ihn wenig, so der Kurator, denn sie hätten alle etwas Trockenes, Kühles, Distanziertes. Ihnen fehle das Spielerische – das Künstlerische. Eine in ihrer Klischeehaftigkeit vielleicht bewusst provozierende Antwort. Langer ist sich dieser Schwierigkeit wohl bewusst: Seine Schau bringt letztendlich den männlichen Blick auf die weibliche Selbstinszenierung an die Museumswand.

![Person mit einem Haufen schwarzer Ballons als Kopf, hält ein Messer in der Hand.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/09/DONT-WORRY-IM-HAPPY_©MARINE_FOISSEY_web.jpg)

Marine Foissey: Don’t Worry, I’m Happy. 2024.

© Marine Foissey

## Self on Stage

Museum Goch, Goch (NRW)
6\. September bis 15. November 2026

[ Mehr erfahren ](https://museum-goch.de/self-on-stage/)