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title: "Bonds – die Graduiertenausstellung der Städelschule 2026"
date: 2026-07-17
last_modified: 2026-07-17T10:43:48+02:00
generated_at: 2026-07-18T01:09:14Z
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description: "Seit ein paar Monaten steht das Trianon-Hochhaus, unweit der Deutschen Bank, aufgrund eines Insolvenzverfahrens leer. Nun zeigen 33 Absolvent*innen der Städelschule noch bis zum 25. Juli 2026 dort ihre Abschlussarbeiten – zwischen Macht, Kontrolle und Kapital."
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# Bonds – die Graduiertenausstellung der Städelschule 2026

![Nachdenkliche Person mit langen, lockigen Haaren, die sanftes Licht an einer Wand betrachtet.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/Florid_Day_still2.jpg)

Amalie Lorentzen, Florid Day

Amalie Lorentzen Starring: Mariia Andreeva, DoP: Jacob Ø- Johansson, Assitistant Camera: Johan Buch, Sound mix: Maar Falke Dollerup, Production Assistans: Jack Brennan and Siri Black, VFX: Adrian Q. Vardi

# Bonds – die Graduiertenausstellung der Städelschule 2026

1 min Lesezeit

Seit ein paar Monaten steht das Trianon-Hochhaus, unweit der Deutschen Bank, aufgrund eines Insolvenzverfahrens leer. Nun zeigen 33 Absolvent\*innen der Städelschule noch bis zum 25. Juli 2026 dort ihre Abschlussarbeiten – zwischen Macht, Kontrolle und Kapital.

Frankfurt ist immer schon eine Stadt des Geldes und der Banken gewesen. Entlang der Skyline steht die Europäische Zentralbank, die Banknoten herausgibt und die Wirtschafts- und Währungspolitik der EU steuert. Und inmitten des Finanzsektors am Main zählt die Städelschule zu einer der renommiertesten Kunstakademien weltweit. Es ist nicht verwunderlich, dass die Abschlussausstellung, die in diesem Jahr von Deiara Semeco Kouto kuratiert wurde, mit „bonds” betitelt ist. Übersetzt auf Deutsch sind „bonds” einerseits Anleihen, andererseits kann das Wort auch mit Verbundenheit gleichgesetzt werden, die die Studierenden während ihres Studiums empfunden haben. Seit ein paar Monaten steht das Trianon-Hochhaus, unweit der Deutschen Bank, aufgrund eines Insolvenzverfahrens leer. Nun zeigen 33 Absolvent\*innen noch bis zum 25. Juli 2026 dort ihre Abschlussarbeiten. Über einige von Ihnen hat das SCHIRN MAG bereits bei den Rundgängen der letzten Jahre berichtet.

## Alexander Beglarishvili

Rosa, rote, blaue, gestreifte, gelbe, karierte und weiße Hemden liegen ordentlich gefaltet in zwei parallel zueinander stehenden Regalen. Es scheint, als könnte jeden Moment ein\*e Banker\*in in den mit Teppichboden ausstaffierten Raum des Trianons hineinlaufen und sich für einen Arbeitstag zwischen Excel-Listen und PowerPoint-Präsentation herrichten. Der Künstler Alexander Beglarishvili reagiert mit seiner Arbeit „Shelving Units” unmittelbar auf den Ausstellungsraum. Gegenüber der Installation hängen fünf Fotos. Die Beine des Künstlers auf der Beinpresse spiegeln sich in der Glasscheibe des Fitnessstudios. Im Gebäude gegenüber sieht man einen Banker – mal wie er vertieft auf den Monitor vor sich schaut, ein anderes Mal wie er sich mit einem Kollegen amüsiert. Die Fotoserie „Untitled (everyone knows)” verweist somit nicht nur auf den/die Banker\*in als vermeintlich potentes Mitglied unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft, sondern platziert auch den Körper des Künstlers in eben jenem Spannungsfeld von Potenz und Erotik. Ein Spiel voyeuristischen Blicke entsteht – auf sich selbst, und auf andere.

![Rote Regale mit gefalteten Hemden in verschiedenen Farben, in einem modernen Raum mit Bildern an den Wänden.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/52fe1574-ea90-4e1a-a7fc-0a3a3ca8c7b2_credit-theresa-weise.jpg)

Alexander Beglarishvili, XY

Foto: Theresa Weise

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Tornike Gognadze

Der Künstler Tornike Gognadze arbeitete bereits [während seines Studiums](https://www.schirn.de/schirnmag/staedelschule-rundgang-2024-erste-eindruecke/) im Spannungsfeld von Stage und Backstage. In seiner Installation „140 Arbeitstage“ inszeniert er seinen Arbeitsvertrag mit dem Restaurant Emma Metzler auf einer angedeuteten Bühne, gerahmt von einem weinroten Samtvorhang. In dem „Nachtrag zum Arbeitsvertrag“ wird festgehalten, dass sich der Arbeitstitel nach Abschluss seines Studiums von „Werksstudent als Barkeeper“ in „Künstlerische Performance mit Tätigkeit als Barkeeper“ ändert. Gognadze reagiert damit einerseits auf die Anforderungen der Ausländerbehörde, nach Beendigung des Studiums einen Job zu finden, der dem Abschluss entspricht. Andererseits macht er auf das Spannungsfeld von Künstler\*in-Sein und Geldverdienen aufmerksam, das oft von „Money Jobs“ gekennzeichnet ist. Dabei greift Gognadze erneut auf die Dualität von Sicht- und Unsichtbarkeit zurück und stellt die Frage: Welche Rollen spielen Künstler\*innen in unserer kapitalistischen Welt? Auf kluge Weise verbindet er somit zwei Welten, die oft voneinander getrennt sind. Die zweite Arbeit: ein Gemälde, auf dem ein gedeckter Tisch mit einem Brief der Stadt Frankfurt abgebildet ist. Durch schwarze Schattierungen schimmert subtil der Schriftzug „Hannah Montana“ – ein ironischer Hinweis auf das Doppelleben als Künstler\*in.

![Ein gerahmtes Dokument mit roten Vorhängen vor lila Wand, das einen Nachtrag zum Arbeitsvertrag zeigt.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/bonds_Staedelschule_TornikeGognadze_photo_EricBell.jpg)

Tornike Gognadze, 140 Arbeitstage

Foto: Eric Bell

## Neal Hoey

Auf dem grauen Fliesenboden liegt eine Zeitung vom 10. Juli 2026 mit dem Titel „A walk in the park”. Darin sind Fotos von Frankfurter Kunstwerken im öffentlichen Raum der Wallanlage abgebildet, etwa der Frankfurter Schacht von Cyprien Gaillard oder das Rinz-Denkmal von Heinrich Petry. Unter den Bildern befinden sich Auszüge aus Interviews, die der Künstler mit queeren Personen aus Frankfurt geführt hat, die sich an ihre liebsten Clubs, Bars und Orte in Frankfurt zurückerinnern. So kreisen die Gespräche um Orte wie das Loft House, Blue Angel oder Construction 5. Doch passen die Fotos und Interview-Ausschnitte nicht zusammen. Hoey schreibt ein alternatives Archiv der Stadtgeschichte. Seine Arbeit ist eine Ode daran, dass Archive selbst immer konstruiert sind und niemals die Wirklichkeit spiegeln. So erzählt ein anonymer Protagonist mit dem Kürzel „A” dass das „Lucky‘s Manhattan” der erste Ort gewesen sei, in dem er nach seinem Coming Out war. Über dem Text sieht man anstelle besagter Bar jedoch die Skulptur „Tänzer (Aufforderung)” von Doris Schmauder.

![Ein Stapel Zeitungen liegt auf einem grauen Boden, der Titel „Ein Spaziergang im Park“ ist zu sehen.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/bonds_Staedelschule_NealHoey_photo_EricBell.jpg)

Neal Hoey, A walk in the park

Foto: Eric Bell

## Amalie Lorentzen

Aus dem Off sind sanfte Schritte und ein leises Rauschen zu hören. Dann ertönt das Klicken eines Lichtschalters und das Licht im Raum geht an. Am rechten Bildrand ist ein Fenster zu sehen, durch das helles Tageslicht einfällt. In der Nähe des linken Fensters zeichnet sich die Silhouette einer Person ab, die an einem Stuhl lehnt.[ Seit Beginn ihres Studiums](https://www.schirn.de/schirnmag/staedelschule-rundgang-2023-erste-einblicke/) erweist sich die Künstlerin Amalie Lorentzen als scharfe Beobachterin, die die Logiken des Mediums Film auslotet und dessen Möglichkeiten ebenso wie seine Grenzen offenlegt. In ihrer Videoarbeit „Florid Day“ setzt sie zahlreiche dramaturgische Mittel ein, etwa den abrupten Wechsel von einer nüchternen Bürobeleuchtung zu einer natürlichen Lichtstimmung, dunkles Licht vor einer Wolke von Nebel. Diese Veränderungen bleiben jedoch für die inhaltliche Ebene weitgehend folgenlos. Lorentzen entwickelt so eine beinahe geisterhafte Bildsprache. Die Figur wirkt wie ferngesteuert und reagiert kaum auf die teils rasch wechselnden Atmosphären. Ihr emotionaler Zustand bleibt schwer lesbar. Es scheint, als wäre sie gegenüber ihrer Umgebung weitgehend unberührt – oder ihr auf rätselhafte Weise entrückt.

![Eine Frau in einem minimalistischen Raum steht neben einem Fenster mit Blick auf das Grüne, ein Stuhl und eine Kiste sind sichtbar.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/Florid_Day_still5.jpg)

Amalie Lorentzen, Florid Day

Amalie Lorentzen Starring: Mariia Andreeva, DoP: Jacob Ø- Johansson, Assitistant Camera: Johan Buch, Sound mix: Maar Falke Dollerup, Production Assistans: Jack Brennan and Siri Black, VFX: Adrian Q. Vardi

![Nachdenkliche Person mit langen, lockigen Haaren, die sanftes Licht an einer Wand betrachtet.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/Florid_Day_still2.jpg)

Amalie Lorentzen, Florid Day

Amalie Lorentzen Starring: Mariia Andreeva, DoP: Jacob Ø- Johansson, Assitistant Camera: Johan Buch, Sound mix: Maar Falke Dollerup, Production Assistans: Jack Brennan and Siri Black, VFX: Adrian Q. Vardi

## Benedikt Ackermann

Auf dem dunkelgrauen Teppichboden liegt ein Bund Hobbs'scher Haken. Die einzelnen Werkzeuge sind fächerförmig ausgebreitet und vor den heute ungenutzten Schließfächern des Gebäudes drapiert. Mit diesem Spezialwerkzeug werden bis heute vor allem Tresore geöffnet. Für die Schließfächer jedoch sind die Haken des Künstlers Benedikt Ackermann nutzlos. Bankenschließfächer gehörten lange selbstverständlich zur Infrastruktur einer Bank. Heute verschwinden sie zunehmend, da viele Institute ihre Anlagen zurückbauen – nicht zuletzt aufgrund des gestiegenen Risikos organisierter Einbrüche und Sprengungen, wie etwa der spektakuläre [Überfall auf eine Sparkasse in Gelsenkirchen](https://www1.wdr.de/nrw/ruhrgebiet/sparkasse-gelsenkirchen-raub-schliessfaecher-chronologie-100.html) im Jahr 2025 deutlich machte.
Doch was ist es überhaupt wert, verschlossen zu werden? Wer entscheidet darüber, was geschützt wird, und wer besitzt die Macht, Schlösser zu sichern oder zu öffnen? Diesen Fragen geht Ackermann in seinen Arbeiten nach. Ausgangspunkt ist die Figur des amerikanischen Schlossöffners Alfred Charles Hobbs, der als Erster ein Bramah-Schloss knackte und unter anderem das sogenannte Hobbs'sche Öffnungsverfahren entwickelte.
Vor den inzwischen funktionslos gewordenen Schließfächern werden die Hobbs'schen Haken so zu einem vieldeutigen Symbol – sie verweisen auf die Grenzen technischer Kontrolle ebenso wie auf Fragen von Sicherheit, Vertrauen und dem Wert dessen, was wir schützen wollen.

![Ein minimalistischer Raum mit glänzendem Boden und symmetrisch angeordneten Werkzeugen in Form eines Insekts.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/bonds_Staedelschule_BenediktAckermann_photo_EricBell.jpg)

Benedikt Ackermann, Hobbs'scher Haken

Foto: Eric Bell

## Chufan Luo

Vier Bildschirme hängen von der Decke vor einer Reihe inzwischen funktionsloser Schließfächer. Auf dem Treppengeländer sind Kopfhörer und kleine Bedienelemente angebracht. Die Künstlerin Chufan Luo lädt die Besucher\*innen dazu ein, sich auf ihr Spiel einzulassen und selbst aktiv zu werden. Im Kontext des Bankenviertels eröffnet die Arbeit aufgrund dieser spielerischen Qualitäten vielfältige Assoziationen: Sie erinnert an Glücksspielsucht, an das Spekulieren mit Aktien und Kapital oder an die spielerische Logik des Geldes selbst. Zu Beginn des Spiels sind die Screens bedeckt mit kleinen Quadraten, die man öffnen soll, ohne dabei auf Minenfelder zu kommen. Während die Besucher\*innen mit dem Werk interagieren, erscheint im Hintergrund gefundenes Bildmaterial. Die Arbeit „There Is No Way Back to the Old World” nutzt maschinelle Abläufe und technische Infrastrukturen, um politische Konflikte und gesellschaftliche Unruhen zu behandeln. Das Spiel folgt einem Takt von zwanzig Sekunden. Dieser regelmäßige Rhythmus verweist auf die zunehmende Automatisierung von Entscheidungsprozessen und die Mechanisierung zeitgenössischer Kriegsführung. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Arbeit auch als Reflexion über algorithmische Systeme lesen, die heute in militärischen Kontexten zur Zielauswahl eingesetzt werden – etwa das international diskutierte [KI-System „Lavender“](https://taz.de/Israel-nutzt-KI-System-Lavender-in-Gaza/!6002476/). Luo verbindet spielerische Interaktion mit einer kritischen Auseinandersetzung über Technologie, Kontrolle und die Delegation menschlicher Entscheidungen an Maschinen.

![Moderner Ausstellungsraum mit Bildschirmen, interaktiver Technologie und zentralem, weißem Info-Stand.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/bonds_Staedelschule_ChufanLuo_photo_EricBell.jpg)

Chufan Luo, There Is No Way Back to the Old World

Foto: Eric Bell

## bonds

Die Künstler\*innen sind Agil Abdullayev, Benedikt Ackermann, Rund Alarabi, Alexander Beglarishvili, Lydia Belevich, Siri Black, Ana Paula dos Santos, Tornike Gognadze, Neal Hoey, Tallulah Hood, Tonia Karn, Blaykyi Kenyah, Uma Kim Gómez, Nave Knafo, Yeshin Lee, Ana Likar, Amalie Lorentzen, Chufan Luo, Tu Pham, Nina Porter, Salome Potskhverashvili, Lulu Leika Ravn Liep, John Schlecht, Jamie Shi, Kyungeun Son, Tuangsap Tasawang, Moritz Tontsch, Adrian Q. Vardi, Weronika Wysocka, Hangping Yang, Wei Yang, Laila Zaidi Touis und Neda Zare Banadkooki.

## bonds

Städelschule Graduiertenausstellung
Trianon, Frankfurt
11\. bis 25. Juli 2026

[ Mehr erfahren ](https://staedelschule.de/de/offentliche-programme/absolvent_innenausstellungen/2026-ausstellung)