06. September 2018

Melancholische Liebeslieder von Gino Paoli und Sehnsucht nach der litauischen Küste. So könnte man Maria Lobodas Sommer beschreiben.

Von Philipp Hindahl (Text), Jan Buchczik (Illustration)

Im Sommer arbeiten oder Ferien machen? Die Künstlerin Maria Loboda findet darauf ihre ganze eigene Antwort. Sie verbringt die warmen Monate auf Stromboli, der Vulkaninsel, um die sich südlich und in gebührendem Abstand die Küstenlinie Italiens legt. Dort findet dieses Jahr ein Festival namens Volcano Extravaganza statt –, und Loboda wird die nächste Ausgabe des Festivals 2019 ko-kuratieren, sie steckt mitten in der Vorbereitung. Stromboli, die Insel, trägt denselben Namen wie der Vulkan, der für ihre Entstehung verantwortlich ist. Der Name leitet sich aus dem Griechischen ab, von Strongylē. Das bedeutet: die runde Insel.

© Jan Buchczik

Gibt es einen Ort, an dem sie lieber wäre? Kann sie gar nicht sagen, bloß gibt es einen Ort an dem sie auch gerne wäre. Und zwar an der Litauischen Küste, die Kurische Nehrung. Was eine Nehrung ist, weiß wahrscheinlich kaum jemand, aber ein Blick auf Google Maps lässt es erraten. Es handelt sich um einen ziemlich schmalen Sandstreifen, der das offene Meer von einer Bucht, dem sogenannten Haff trennt. Diese Information habe ich nicht von Maria Loboda, sondern ebenfalls von Google. Diese Nehrung an der Litauischen Küste, jedenfalls, sagt Loboda, sei ihr liebster Ort. Auch hier übrigens: eine markante Küstenlinie, oder genau genommen drei, zwei draußen im Meer, die einen fragilen Landstreifen bilden, meist nur ein paar hundert Meter breit, dann Richtung Festland das Haff, ein stilles Brackwasser, schließlich die eigentliche Küste, in diesem Fall Russland und Litauen. 

Sommer ist die Zeit der Erinnerung an vergangene Sommer, und wird von nichts so sehr ausgelöst und konserviert wie von Popmusik. Als ich Maria Loboda frage, welche Musik das für sie leistet, nennt sie „Sapore di Sale“ von Gino Paoli.

Früher oder später ist es immer dieses Lied.

Maria Loboda

Ein wehmütiges Stück, das auf einem langsamen Rock’n’Roll-Takt dahinhoppelt, irgendwann setzen Streicher ein, und Gino Paoli singt vom salzigen Geschmack des Meerwassers und vom bitteren Geschmack des Verlusts. Das überrascht mich, denn der Song ist von 1963, und Loboda, geboren 1979, kann ihn kaum aus erster Hand kennen. Aber ich verstehe sofort, warum die Künstlerin sagt: „Früher oder später ist es immer dieses Lied.“ Übrigens, die Frage — arbeiten oder Ferien machen — muss man gar nicht immer eindeutig beantworten. Maria Loboda tut es für sich selbst jedenfalls so: „Arbeit, getarnt als Ferien. Aber das ist ok.“