26. Juli 2019

Laue Sommernächte, lange Gespräche und ein erfrischendes Getränk. Was gibt es Schöneres! Wir erzählen, welche Künstler wir schon immer mal treffen wollten und servieren dazu den passenden Drink.

Von Antonia Lagemann (Text), Pauline Heyne (Illustration), Jens Seidl (Drink)

ILKA VOERMANN, SCHIRN KURATORIN

Welche Künstlerin oder welchen Künstler würdest Du an einem lauen Sommerabend gerne mal auf einen Drink treffen?

Auf jeden Fall die Künstlerin Lee Krasner! Und dann am liebsten Anfang der 1930er-Jahre, als sie noch in New York an der National Academy of Design studierte.

Und wo würde das Treffen stattfinden?

In ihrer Wohnung in der 333 West Fourteenth Street in New York, die sie gleichzeitig als Studio nutzte. Hier lebte sie gemeinsam mit ihrem Kommilitonen und Geliebten Igor Pantuhoff. Vom Dach des Studios, das Krasner im Gemälde „Fourteenth Street“ (1934) festgehalten hat, muss man einen unglaublichen Blick über die Lower West Side haben – da hätte ich sie gerne getroffen.

Welche Zutat dürfte in Eurem Drink auf keinen Fall fehlen?

Hmm, passenderweise zum Big Apple vielleicht einfach: Äpfel?! 

Copyright Pauline Heyne

ICARUS 

Jens Seidl ist Gastbartender im Frankfurter Seven Swans & The Tiny Cup und Spezialist für vergessene Klassiker ebenso wie moderne Craft-Cocktails. Für jedes Treffen kreiert er den passenden Drink - so auch den „Icarus“ mit Calvados zur Begegnung mit Lee Krasner:

ZUTATEN

5cl guten Calvados (wir nehmen Christian Drouin Selection)

6 frische Himbeeren

3cl frischer Zitronensaft

2cl Himbeersirup

0,5cl Campari

Ginger Ale

ZUBEREITUNG

Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eis kräftig schütteln. Ein Collins-Glas mit frischem Eis füllen und eine lange Orangenzeste spiralförmig am inneren Glasrand um das Eis legen und das Ende über den Glasrand hängen lassen (wie bei einem Horse’s Neck üblich). Den Cocktail in das Glas geben (doppelt abseihen, um die Kerne zu entfernen) und mit Ginger Ale auffüllen; kurz durchrühren. Mit essbaren Blüten oder frischen Himbeeren dekorieren.

Hier wäre ich unheimlich gerne dabei - auf dem Dach eines Hauses in der 14th Street an einem lauen Sommerabend eiskalte Drinks mit Lee Krasner zu trinken, über ihr Leben, ihr Werk und ihre traumhafte Heimatstadt zu sprechen, die Klänge dieser faszinierenden Stadt stets im Hintergrund, bis die Sonne verschwindet und wir auf eine Bartour durch New York’s Finest aufbrechen.

Inspiriert wurde dieser Drink durch Krasners Gemälde „Icarus“, dessen leuchtendes Rot und Orange sich im Glas wiederfindet. Und wer weiß - vielleicht hatte sie später an ihrem Haus in Long Island auch einen Apfelbaum und Himbeerbüsche im Garten stehen?