08. November 2018

Die Skulpturen und Installationen von Maria Loboda sind rätselhaft und voller Geheimnisse. In der Schirn Rotunde zeigt die Künstlerin jetzt neue Arbeiten.

Mit der Ausstellung „Idyl In An Electronics Factory“ präsentiert die Schirn vom 16. November 2018 bis zum 3. Februar 2019 drei Arbeiten von Maria Loboda, die sie eigens für die öffentlich frei zugängliche Rotunde entwickelt hat. Maria Lobodas Skulpturen und Installationen sind rätselhaft und voller Geheimnisse. Erst auf den zweiten Blick erschließen sich ihre verschlüsselten Botschaften. 

Mit ihren Arbeiten im Raum überträgt die Künstlerin vergangenes Wissen in die unmittelbare Gegenwart. Der Schirn Rotunde schreiben ihre Werke im Zusammenklang eine Erzählung ein, die auf den wegweisenden US-amerikanischen Landschaftsarchitekten James C. Rose (1913–1991) verweist.

Tout Terriblement

Die zentrale Installation im Außenraum der Rotunde trägt den Titel "Tout terriblement": Sie besteht aus zwei parallel angeordneten Hecken aus portugiesischem Lorbeer, die bis zum ersten Obergeschoss der Rotunde hinaufragen, den Durchgang versperren und den Raum zu einem Labyrinth machen. In und zwischen den Hecken stecken zudem vier organisch anmutende Beton-Skulpturen, die zusammen die abstrahierte Form eines „R“ ergeben. Die Hecken fußen in Bottichen – ebenfalls aus Beton –, die die Künstlerin an unterschiedlichen Stellen mit eingeritzten Buchstaben versehen hat. Diese ergeben zusammen den Ausspruch "Tout te**iblement", den der Modedesigner Yves Saint Laurent (1936–2008) bekannt machte und damit wiederum ein Kalligramm des französischen Dichters Guillaume Apollinaire (1880–1918) zitierte.

Guillaume Apollinaire, Cheval, Image via wikipedia.org

Mit dem Ausstellungstitel „Idyl In An Electronics Factory“ nimmt Loboda direkt Bezug auf eine Rezension desselben Titels, die 1963 in dem US-amerikanischen Designmagazin Interiors erschien. Diese widmet sich dem von James C. Rose neu entworfenen Innenhof einer Firma für elektronische Komponenten in Livingstone, New Jersey. Als wesentliche Eigenschaften der Landschaftsarchitektur verstand James C. Rose die Bewegung und Veränderung der Landschaft. Dabei schloss er die Beziehungen aller in der Landschaftsarchitektur vorkommenden Materialien mit ein – etwa die sich in ständiger Veränderung befindliche Pflanze genauso wie die statische und unbewegliche Skulptur oder den sich in der gestaltenden Landschaft aufhaltenden und bewegenden Menschen.

Note the Lizard

Im Rotundenumgang des ersten Obergeschosses hängt eine großformatige Leinwand, auf der Maria Loboda das Cover jener Ausgabe des Magazins Interiors reproduziert hat. Dieses Gemälde, "Grand Interiors", zeigt eine kolorierte Skizze eines Bistrotischs mit zwei Stühlen vor einer Wendeltreppe. Durch seine Dimensionen wirkt das Bild seltsam in den Gang eingeklemmt und auffallend disproportional, wie stecken geblieben. 

Abbildung "Idyl in An Electronics Factory", Interiors Magazine, Juni 1963
Maria Loboda, Note the lizard on the circuit, 2018, Courtesy the artist and Maisterravalbuena, Madrid

Ebenfalls im Rotundenumgang prangt auf der Wand der Schriftzug "Note the lizard on the circuit" – ein Hinweis für die Besucherinnen und Besucher, sich auf die Suche nach einem Gecko zu begeben, der als Tierpräparat seinerseits in der Rotunde platziert ist.

Cover, Interios Magazin, Juni 1963