29. Juli 2011

Bei PLAYING THE CITY 3 geht Kunst auf die Straße und begegnet den Bürgern in der Stadt.

Von Fabian Famulok

Vom 11. bis zum 25. August wird der öffentliche Raum zur Plattform für Kunstprojekte. An verschiedenen Orten in der Frankfurter Innenstadt finden Aktionen, Performances und Installationen statt und beziehen den Bürger mit ein. Das Projekt PLAYING THE CITY der SCHIRN Kunsthalle geht dieses Jahr in seine dritte Runde.

Die Auseinandersetzung um die Unzulänglichkeiten „konventioneller“ Kunst sucht man im Kunstbetrieb bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Schon die Dadaisten versuchten, ungewöhnliche Orte als Austragungsort ihrer Kunstaktionen zu etablieren. Sie entwickelten eine performative Kunst, bei der das Publikum Teil des Konzepts war. Die Fluxus-Bewegung und die Happenings von Joseph Beuys in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren weitere Schritte hin zu einer Kunstform, die sich abseits des herkömmlichen Museumsbesuchs präsentierte.

Im Zuge des „participatory turn“ in der zeitgenössischen Kunst versucht man die vorherrschende passive Rolle des Kunstbetrachters zu beenden und eine aktive Beteiligung zu erreichen. Der Betrachter ist nicht mehr nur reiner Rezipient, sondern wird durch Interaktion zum Bestandteil der Aktion. Im Rahmen des Projekts PLAYING THE CITY beschäftigen sich 15 internationale Künstler mit den Möglichkeiten und Grenzen des öffentlichen Raumes und sozialer Interaktion.

Bei einigen der Aktionen im Rahmen von PLAYING THE CITY 3 sind Sie herzlich eingeladen, aktiv teilzunehmen:

Der Züricher Aktions- und Konzeptkünstler San Keller veranstaltet einen Markt der Freiwilligen, bei dem nicht mehr und nicht weniger als der freie Wille selbst angeboten wird. Bei dieser sozialen Skulptur stehen Gespräche über die Freiwilligkeit, über die eigene Disposition von Zeit und Einsatz an der Tagesordnung. Gesucht werden Freiwillige, die einen leeren Marktstand einzeln oder zu mehreren für einige Stunde betreuen wollen. Um mit dem künstlerischen Ansatz vertraut zu werden, bietet der Künstler ein Gespräch am Vortag der Aktion an.
„Markt der Freiwilligen“ am Montag, 22. August 2011, Liebfrauenberg, 8–18 Uhr
Anmeldung als freiwilliger Standverkäufer bei Clara Wörsdörfer per E-Mail.

Bei dem Projekt Demonstration des schwedischen Künstlers Jakob Dahlgren tragen die Demonstrationsteilnehmer selbst gemalte Bilder, die den Werken des schwedischen Künstlers Ole Baertling nachempfunden sind und in einem Workshop gemeinsam mit Dahlgren angefertigt werden. Zu dem Workshop sind Sie herzlich eingeladen.
Plakat-Mal-Workshops mit dem Künstler Jacob Dahlgren (Schirn Kunsthalle Frankfurt, Zentrale): begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung per E-Mail, Tel 069.29 98 82-112
Samstag, 13. August 2011: 16–19 Uhr
Sonntag, 14. August.2011: 11–14 Uhr
Montag, 15. August 2011: 15–18 Uhr
Demonstration: Dienstag, 16. August 2011, ab 17 Uhr am Opernplatz, Alte Oper, Dauer: ca. 1 Stunde. Eine Teilnahme ist ohne vorherige Anmeldung möglich. Die Route wird auf www.playingthecity.de veröffentlicht.

Die kubanische Performance- und Installationskünstlerin Tania Bruguera bringt ihr Projekt Immigrant Movement International erstmals von New York nach Europa. Die Künstlerin ruft jeden dazu auf, die Kundgebung zu besuchen, bei der sie eine politische Rede halten wird. Das Langzeitprojekt der Künstlerin unternimmt den Versuch, den Immigranten als einzigartigen „global citizen“ in einer Welt jenseits nationaler Grenzen zu definieren.
Kundgebung Immigrant Movement International, voraussichtlich Römer, 13.08.2011, ab 13:00 Uhr Aktionstag Migration auf dem Römer (11-15 Uhr).
Vereine, Gruppen und Organisationen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen sind herzlich eingeladen, zur Kundgebung zu kommen. Wer Interesse daran hat, das Projekt zu unterstützen und über eigene Projekte zu informieren, kann mit der Schirn Kunsthalle Kontakt aufnehmen über Clara Wörsdörfer, E-Mail.

Die Künstler Stephanie Müller und Klaus Erich Dietl sind Teil der Guerilla Knitting-Gruppe Kommando Agnes Richter, deren Name sich von einer Patientin der Psychiatrie ableitet, die im 19. Jahrhundert ihre Anstaltsjacke von oben bis unten bestickte. In der Tradition der Graffitis im öffentlichen Raum haben Müller und Dietl eine spezielle Stricktechnik perfektioniert, mit der große Flächen in der Stadt umstrickt werden können. Unter ihrer Anleitung werden in einem offenen Workshop Stricktechniken ausgetauscht und eingeübt. Zum Abschluss wird ein besonderer Ort in der Frankfurter Innenstadt gemeinsam bestrickt.
22. August 2011 bis 24. August 2011: Offener Strick-Workshop im Museum für Kommunikation, offen jeweils 12-18 Uhr, Forum jeweils um 16 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich.
25. August 2011: Öffentliche Strickaktion mit Kommando Agnes Richter, Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.