10. Januar 2014

Der eine macht Kunst, der andere Design. Und manchmal arbeiten die Brüder Tobias und Chris Rehberger auch zusammen, wie jetzt für die Schau „Home and Away and Outside“, die im Februar in der SCHIRN eröffnet. Wir trafen Designer Chris Rehberger in seinem Berliner Studio.

Von Sabine Weier

Auf seiner Kundenliste stehen Galerien wie David Zwirner oder Sprüth Magers, Ausstellungshäuser wie das New Yorker Guggenheim oder die Londoner Tate Modern, Künstler wie Olafur Eliasson und Rirkrit Tiravanija, Theater wie das Schauspiel Frankfurt und das Badische Staatstheater. Auch die SCHIRN hat Chris Rehberger ihr grafisches Erscheinungsbild zu verdanken. Sein Studio „Double Standards" liegt im hippen Berliner Wrangelkiez mitten in Kreuzberg. Ruhe herrscht hier um 9 Uhr morgens in Rehbergers Büro, die 12 Mitarbeiter trudeln nach und nach in ihren Räumen nebenan ein.

Es riecht nach Weihrauch, Rehberger brennt gerne Armenisches Papier ab. Die Lampen an der Decke hat er selbst entworfen. Überhall hängt Kunst, Arbeiten von Thomas Bayerle etwa, und natürlich viele von Tobias Rehberger, Chris' Bruder. Dessen Ausstellung „Home and Away and Outside" ist demnächst in der SCHIRN zu sehen, Chris Rehberger gestaltet die Poster, Banner und Einladungen. Ähnlich sehen sich die Brüder nicht. Chris: kurze Haare, markante Hornbrille. Tobias: Haare etwas länger, lockig, keine Brille.

„Ein Design soll einen Standpunkt klar machen und nicht mit der kompletten Umwelt camouflieren."

Was Kreativität angeht, liegen die beiden aber auf einer Wellenlänge. Gerade arbeiten sie gemeinsam an einem Leitsystem für einen Wanderweg zwischen dem Vitra Design-Museum in Weil am Rhein und der Fondation Beyeler bei Basel. Der Weg führt vorbei an Hügeln und Weinbergen, über 20 Skulpturen von Tobias Rehberger werden ihn bald säumen. Zur kommenden Art Basel sollen einige schon stehen.

Die Werke der beiden sind sich im Grunde recht ähnlich. Auch Tobias Rehberger mag es grafisch, entwirft Farbfelder und geometrische Muster, etwa für seine großen Wandarbeiten. Und die angewandten Arbeiten seines Bruders sind mitunter kunstvoll und eigenwillig. Damit eckt er auch mal an.

Für das Haus der Kulturen der Welt in Berlin entwickelte er eine Schrift, die gegen eine der wichtigsten Gestaltungsregeln verstößt: Lesbarkeit. Sie ist nicht sofort entschlüsselbar, der Betrachter muss sie lernen. Das entspreche Kulturangeboten wie denen des Hauses der Kulturen der Welt, sagt Rehberger, damit müsse man sich ja auch auseinandersetzen. Es gab heftige Diskussionen, doch Rehberger ließ sich nicht beirren: „Ein Design soll einen Standpunkt klar machen und nicht mit der Umwelt camouflieren. Ich will ohnehin nicht in so eine Maximale-Lesbarkeit-Struktur reinkommen."

„Wir hatten Legenden der Musikindustrie auf dem Sofa sitzen."

Rehberger lebte und arbeitete lange Zeit in Frankfurt und London, vor über zehn Jahren eröffnete er sein Studio in Berlin. Seine zweite große Leidenschaft ist die Musik. Noch in Frankfurt gründete er mit Thomas Franzmann und Markus Nikolai das Label „Perlon Records" mit, heute gehört es zu den erfolgreichsten Kleinlabels auf dem Markt für elektronische Musik. Künstler wie Ricardo Villalobos veröffentlichen hier Tracks. „Perlon" produziert ausschließlich Vinyl-Platten, die Cover gestaltet Rehberger natürlich selbst.

Gerade hat „Double Standards" für die „Red Bull Music Academy" gearbeitet, zum fünfzehnjährigen Jubiläum entwarf das Studio ein Buch und eine Ausstellung in New York. „Es war ein Traum. Wir durften Fotografen durch die Welt schicken und hatten Legenden der Musikindustrie auf dem Sofa sitzen."

Die nächste Rehberger-Generation tobt sich auch schon im Studio aus: Chris Rehbergers Tochter hat in Papas Büro eine Spielecke, mit Buntstiften, Plüschtieren und gerahmten Zeichnungen an der Wand. Über dem kleinen Tisch hängt eine Lampe von Onkel Tobias. Künstlerische Früherziehung genießt die 9-Jährige hier, vorerst ist ihr Berufswunsch aber Tierärztin. Auf einer Kleiderstange hängen T-Shirts, auf einem steht „Go on and produce". „Wir hatten uns mal auferlegt, einen Monat lang jeden Tag eine freie Arbeit zu machen und das war von mir," erklärt Rehberger. Immer weitermachen und produzieren: Vielleicht ist es ja dieses Mantra, das die Rehbergers so erfolgreich macht.