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Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg
60311 Frankfurt
Tel 069.29 98 82-0
Fax 069.29 98 82-240

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Interview mit Direktor Max Hollein

Resonanz in der Kunstwelt und Gesellschaft

Die SCHIRN nimmt seit ihrer Gründung 1986 nicht nur einen wesentlichen Platz im Frankfurter Kulturgeschehen ein, sondern sie hat sich zu einem der wesentlichen Ausstellungsräume in Deutschland entwickelt und ist mittlerweile eine viel beachtete Institution im internationalen Kulturgeschehen. Die letzten zehn Jahre waren davon geprägt, der SCHIRN ein klares Profil zu geben und sie auch deutlich von dem musealen Ausstellungsangebot abzusetzen. Eine Kunsthalle wie die SCHIRN, die sich nicht nur der zeitgenössischen Kunst, sondern auch der Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne widmet, darf sich sowohl in ihrer inhaltlichen Ausrichtung als auch in ihrer inszenatorischen Gestaltung und kunsthistorischen Perspektive nicht als temporäres Museum verkleiden. Die Aufgabe der SCHIRN ist es vielmehr, virulente Themen aufzugreifen und aktuelle Aspekte des Œuvres bedeutender Künstler aus einer zeitgenössischen Perspektive zu präsentieren.


Als Ort der Entdeckungen und Seismograph für brisante Entwicklungen erreicht die SCHIRN KUNSTHALLE beides: ein originäres und sinnliches Ausstellungserlebnis sowie eine engagierte Teilnahme an der kunsthistorischen Betrachtung. Dabei ist es ein erklärtes Ziel der SCHIRN, eine wesentliche Stimme in der kulturellen Diskussion zu sein. Das heißt auch, die gesellschaftliche Verankerung der Kunst zu benennen und immer wieder neu zu verorten, durchaus auch eine streitbare Meinung zu äußern, neue Wege zu gehen. So können wir einen Diskurs fördern, der von den Museen wieder aufgenommen werden kann. Während ein Museum im Rahmen seiner Ausstellungstätigkeit Feststellungen aus einer langjährigen Sammlungs- und Forschungstradition heraus trifft, ist es Aufgabe der Kunsthalle, fundierte Vorschläge aus einer aktuellen Perspektive zu entwickeln. Ganz bewusst fordern die Ausstellungen der SCHIRN eine Diskussion ein, zeigen auf, wie ein Thema, ein Œuvre, ein kunsthistorischer Zeitabschnitt auch oder anders gesehen werden kann. Die Resonanz ist entsprechend: Mit einem solchen Konzept bekommt man viel Lob und Zustimmung, aber auch ein entsprechendes Maß an Gegenstimmen und Kritik – alles andere wäre für uns eine Überraschung.


Die Ausstellungen der SCHIRN sind für ein großes Publikum. Das Ziel dieser Ausstellungshalle, die – gemessen an den Besucherzahlen – populärste Kultureinrichtung der Region zu sein, wurde immer wieder und gerade auch in den letzten Jahren mehr als erfüllt. Allerdings geht es uns nicht vorrangig um Besuchermaximierung – dann würde das Ausstellungsprogramm der SCHIRN anders aussehen. Wesentlich ist, dass unser Publikum sich nach einem Besuch in der SCHIRN bewusst wird, dass es so eine Ausstellung bislang noch nicht in dieser Form gesehen hat, dass es das Thema noch nie unter einer solchen Perspektive betrachtet hat oder dass sich ihm ein Künstler und sein Œuvre vollkommen neu erschlossen haben. Uns geht es darum, komplexe Ausstellungen und faszinierende neue Themen zu entwickeln und diese durch die Art der Präsentation, die Qualität der Exponate, die Sorgfalt in der Vermittlung und den Einfallsreichtum in der Bewerbung einem möglichst großen, neuen Publikum nahezubringen. Der Erfolg der SCHIRN misst sich insofern nicht ausschließlich an den Besucherzahlen, sondern auch an der Resonanz, die die Ausstellungen finden, und an den Spuren, welche die SCHIRN mit ihnen, möglichst in einer Vorreiterrolle, sowohl in der Kunstwelt als auch in der Gesellschaft hinterlässt.