12. Juni 2018

Ab in den Urlaub! Das SCHIRN MAG hat die schönsten Reiseziele erkundet, auf der Suche nach sehenswerten Ausstellungen, dem besten Fotospot oder den einzig wahren Pastéis de Nata. Die gibt es natürlich nur in Lissabon.

Von Elisabeth Pallentin
1. Tris Vonna-Michell bei Francisco Fino

Die Galerie Francisco Fino liegt in Marvila, weitab des touristischen Zentrums der Stadt, aber der Ausflug lohnt sich. Erst letztes Jahr hat der junge Portugiese dort seine eigenen Räume eröffnet, nachdem er in Lissabon bereits Ausstellungen im kommerziellen als auch im institutionellen Kontext realisiert hat. Zu sehen sind derzeit Werke des britischen Künstlers Tris Vonna-Michell, den die Schirn im vergangenen September im Double Feature präsentierte. Mit „Material Longevities“ bezieht er sich auf sein Verhältnis zu Technologie, Erzählung und der Dauerhaftigkeit, die sich besonders fragil in fast all seinen Werken zeigt, wie bei seinen Spoken Word Performances, in photochemischen Verfahren, Projektionen und Installationen. Im Untergeschoss der Galerie befindet sich der vom Künstler Adrien Missika geführte Non-Profit-Space Belo Campo. Hier zeigt David Horvitz auf Papier transkribierte Geräusche des Meeres und lädt die Besucher dazu ein, diese selbst wiederzugeben. Beide Ausstellungen laufen noch bis zum 28. Juli 2018.

Tris Vonna-Michell, Material Longevities, 2018, Image via Francisco Fino
2. “Estudos do Labirinto” in Belém, verschiedene Orte

Das von dem Kollektiv Casinfância initiierte Projekt untersucht künstlerisches Schaffen, das eng mit unterschiedlichen Disziplinen und Themen – Ethnologie, Botanik, das Meer oder Astronomie – verknüpft ist und holt die Werke in ihren jeweiligen, damit verbundenen Kontext. So kann man bis zum 16. September zeitgenössischer Kunst an verschiedenen Orten in Belém begegnen: im Museu Nacional de Etnologia (Francisco Tropa und Teresa Carepo), im Jardim Botânico Tropical (Armanda Duarte und Nuno Vicente), im Museu de Marinha (Ana Santos und Belén Uriel) und – mein persönliches Highlight – im Planetário Calouste Gulbenkian (Pedro Paiva und João Maria Gusmão). Mehr Informationen zu dem Projekt findet man auf der Website von Casinfância.

Image via Um Pastel em Belém
3. „Um pastel de nata, por favor!“

In Chiado mache ich meistens für einen (oder auch mal zwei) von den Törtchen aus Blätterteig und Pudding einen kurzen Stopp in der Manteigaria am Praça Luís de Camões. Täglich, bis spät in die Nacht hinein, ertönt hier in regelmäßigen Abständen eine Glocke – dann kommen die Pastéis de Nata frisch aus dem Ofen. Die schönste Atmosphäre, um in das kleine Gebäck zu beißen, bietet zwischen Marmor, gold- und blumenverzierten Fliesen die Pastelaria São Roque in Príncipe Real. Den besten Pastel de Nata hatte ich bisher jedoch in einem der Restaurants des Sternekochs José Avillez, dem Café Lisboa. Und der kostet trotzdem nur 1,25 Euro.

Pastelaria São Roque in Príncipe Real, Image via panifsroque.pt
4. Sol Calero in der Kunsthalle Lissabon

Der deutsche Name der Institution ist im Grunde ein „gefälschter Scherz“: mit ihm spielen die Gründer, Luis Silva und João Mourão, darauf an, wie schwierig es ist, eine institutionskritische Haltung einzunehmen und beizubehalten. Als Alternative zu traditionellen, etablierten Kunstinstitutionen stellt die Kunsthalle Lissabon Künstler und Künstlerinnen aus, mit denen sie gemeinsam Projekte entwickelt und so, meist auch langfristig, enge Beziehungen aufbauen. Die venezolanische Künstlerin Sol Calero zeigt hier bis zum 25. August neue Arbeiten. Mit „Tente en el aire“ führt sie ihre Idee des Souvenirs als Repräsentation lateinamerikanischer Identität fort und setzt dieses ins Verhältnis zur Malerei.

Sol Calero in der Kunsthalle Lissabon, Foto: Elisabeth Pallentin
5. André Romão bei Vera Cortês

Die Galeria Vera Cortês ist immer einen Besuch wert – ganz besonders noch bis zum 30. Juni, um die Ausstellung „fruits and flowers” des in Lissabon geborenen Künstlers André Romão zu sehen. Seine neuen Arbeiten nehmen sich dem fließenden Zustand zwischen menschlichen und tierischen Körpern an. Einige der Skulpturen umfassen hybride Gestalten, die die Grenzen zwischen innen und außen sowie Mensch und Umwelt verwischen, und basieren auf dem Maßstab des menschlichen Körpers. Dieser setzt sich an den Wänden der Galerie anhand von vier Gedichten fort, die in einer traditionellen japanischen Gedichtform, sogenannten Haikus, verfasst sind und deren einzelner Vers nicht länger als ein Atemzug andauert. Im Anschluss, ab 5. Juli, ist eine Ausstellung von Angela Detanico und Rafael Lain zu sehen.

André Romão in der Galeria Vera Cortês, Foto: Elisabeth Pallentin
6. Jardim do Torel

“Miradouros” (Aussichtspunkte) gibt es in der ganzen Stadt verteilt. Schließlich ist Lissabon auf sieben Hügeln erbaut und bietet so spektakuläre Aussichten von nahezu überall. Wenn ich mal ein bisschen Ruhe brauche, gehe ich zum Miradouro do Jardim do Torel. Neben einem kleinen Park bietet er ein Café mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, von denen man den Blick über die Innenstadt schweifen lassen kann.

Jardim do Torel, Image via Wikicommons
7. Überfahrt nach Almada

Für einen kompletten Perspektivwechsel auf Lissabon lege ich die Überfahrt mit der Fähre vom Bahnhof Cais do Sodré zum gegenüberliegenden Ufer des Tejos, nach Almada, ans Herz. Einmal dort angekommen, läuft man gen Westen am Wasser herunter, an alten Häusern und Ruinen vorbei, immer mit dem Blick auf die glitzernde Stadt und findet schließlich im Restaurante Ponto Final oder dem benachbarten Atira-te ao Rio die perfekte Erfrischung.

Restaurante Ponto Final, Foto: Elisabeth Pallentin
8. Museu Nacional de Arte Antiga

In diesem Museum kann man sich verlieren! Zwischen meinem absoluten Lieblingsplatz der Stadt, dem Largo Dr. José Figueiredo, und dem Tejo gelegen, ist das Museu Nacional de Arte Antiga das perfekte Ausflugsziel, um den ganzen Tag durch Galerien mit alten Gemälden zu wandern, Skulpturen aus sieben Jahrhunderten sowie Geschirr und andere Ausstellungsstücke aus Glas, Keramik und Gold zu bestaunen, oder auch einen kritischen Blick auf die Exponate portugiesischer Entdeckungen zu werfen. Für eine Verschnaufpause bietet sich ein Galão, ein portugiesischer Milchkaffee, im Skulpturengarten des Museums mit Blick auf den Tejo an.

Der Garten des Museo Nacional de Arte Antiga, Foto: Elisabeth Pallentin
9. Galeria Zé dos Bois

Das ZDB ist aus dem Bairro Alto, einem der ältesten Stadtteile Lissabons, nicht mehr wegzudenken. Schon seit 1994 operiert das gemeinnützige Kulturzentrum als Produktionsstätte von zeitgenössischer Kunst. Neben Ausstellungen werden hier auf mehreren Etagen Vermittlungsprogramme, Theater- und Tanzperformances, Konzerte sowie Vorlesungen realisiert und gezeigt. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich immer. Bis zum 1. September gibt es Werke des portugiesischen Malers Jorge Queiroz zu sehen.

Galeria Zé dos Bois, Image via On the Grid
10. Damas

Im Damas trifft man sich zum Essen, Trinken, Tanzen – kurz: um eine gute Zeit zu haben. Tagsüber ist die ehemalige Bäckerei im Stadtteil Graça Restaurant und Café zugleich. Hier werden umwerfende, auch vegetarische, Gerichte serviert. Am Abend verwandelt sich die Location in eine Bar und Club. Warum also gehen, wenn man auch bleiben kann?

Damas, Foto: Jorge Matreno, Image via DC.AD