20. Februar 2017

Jörg Ahrnt und Andreas Gärtner führen im basis-Projektraum einen künstlerischen Dialog. Zu sehen ist Hinterglasmalerei und experimentelle Prints, Keramikobjekte sowie Tuschezeichnungen.

Von Eugen El

Sie kennen sich seit längerem, doch gemeinsam ausgestellt haben die Frankfurter Künstler Jörg Ahrnt und Andreas Gärtner noch nicht. Das holen die beiden Absolventen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung nun nach. Im Projektraum des Atelierhauses basis im Frankfurter Bahnhofsviertel zeigen sie unter dem Titel „Splitter“ neue Werke. Dabei wollen sie ihre künstlerischen Gemeinsamkeiten herausstellen. „Es gibt ähnliche Fragestellungen“, sagt Andreas Gärtner. Den Anspruch an die Schau formuliert er klar: „Es ist keine Galerie- oder Museumsausstellung. Der Projektraum gibt uns die Möglichkeit zum Experimentieren.“

Jörg Ahrnt, Scherben, Detail, 2017, Copyright the artist

In seiner künstlerischen Arbeit bezieht sich Jörg Ahrnt oft auf die persische Kultur. Seit 1998 reist er jährlich in den Iran. Der Kurator und Künstler Peter Cross schrieb, der Iran sei Ahrnts „zweite Heimat“. Für die jüngste Präsentation knüpft Jörg Ahrnt an eine Reihe früherer Ausstellungen an. Im Frankfurter Werkbund zeigte Ahrnt 2014 historische Keramikgefäße aus dem Iran. Die Gefäße standen auf verspiegelten Holzsockeln. Ebenfalls 2014 präsentierte Ahrnt im Museum für angewandte Kunst Wien Bruchstücke von Keramikgefäßen aus der Museumssammlung. Sie stammten überwiegend aus dem Iran, Syrien und Ägypten und datierten vom 9. bis ins 16. Jahrhundert.

Es zählt nur das abstrakte Bild

„Mich interessiert der Umgang mit Artefakten“, sagt Jörg Ahrnt. Im basis-Projektraum zeigt er nun sieben einzelne Scherben auf quadratischen, verspiegelten Holzsockeln. Es handelt sich dabei um Stücke von historischen Keramikgefäßen aus dem Iran, die der Künstler besitzt. Sie stammen ebenfalls aus der Zeit vom 9. bis zum 16. Jahrhundert. Alle Stücke zeigen einen Teil des Bodens des jeweiligen Gefäßes. Die jeweilige Bemalung wie auch die Form ist indes unterschiedlich. Durch die Spiegelung wird ein Blick auf die Unterseite der Objekte möglich.

Jörg Ahrnt, Unbekannter Künstler, Copyright the artist
Jörg Ahrnt, Ornamental Colours Coloured Ornaments

Splitter zieren auch den Flyer zur Ausstellung. Jörg Ahrnt stellte Andreas Gärtner einige Scherben aus seiner Sammlung zur Verfügung, die Gärtner scannte. Den Scanner nutzt Gärtner als experimentelles Werkzeug zur Erzeugung von Bildmotiven. Für die Ausstellung sind auf diese Weise mehrere Inkjet-Prints entstanden. Sie zeigen abstrakte Formen und die charakteristische Lineatur, die sich beim Abtasten der Scanvorlage herausbildet. Andreas Gärtner kommt es darauf an, „dass man das ursprünglich gescannte nicht mehr erkennt“. „Letztendlich zählt nur das abstrakte Bild“, sagt der Künstler.

Das Unsichtbare wird Teil des Bildes

Gärtner, der sich auch in den Medien Fotografie, Collage und Zeichnung bewegt, zeigt überdies eine Serie von Hinterglasgemälden. Er bemalte Glasplatten mit vorwiegend schwarzer Temperafarbe. Da die Farbe auf dem Glas schnell trocknet, hatte Andreas Gärtner zum Malen nur eine beschränkte Zeitspanne zur Verfügung. Korrekturen waren dann nicht mehr möglich. Für die Präsentation hat er die Glasplatten umgedreht und in Metallrahmen eingespannt. Die Arbeiten erhalten dadurch eine objekthafte Anmutung. Das transparente Glas und der nicht immer deckende Farbauftrag sorgen dafür, dass man das Innenleben des Bildträgers, also des Rahmens, sieht.

Andreas Gärtner, On the threshold of your mind, 2012

„Das sonst Unsichtbare wird so zum Teil des Bildes“, erläutert Gärtner. Die entstandenen Bilder sind gestisch-abstrakt. Hier überschneiden sich die Ansätze der beiden Künstler. „Unsere Arbeiten sind flächig und gegenstandslos“, sagt Jörg Ahrnt. In der Ausstellung präsentiert Ahrnt auch einige eindrückliche Blätter aus seiner Serie „Ornamental Colours – Coloured Ornaments“. Daran arbeitet er seit vier Jahren. Ahrnt grundiert jedes Blatt zuerst mit einem durchgehenden Ton. In dem folgenden, langwierigen Arbeitsprozess trägt er mit farbiger Tusche filigrane, floral anmutende Formen auf. Er nutzt dabei maximal vier Farbtöne, die zuweilen einander kontrastieren. 

Betrachtet man die Bilder aus einiger Entfernung, ergeben die sich im Einzelnen ähnelnden Formen ein flirrendes Muster. Sie lassen eine ungeahnte formale Dynamik entstehen. Der Aspekt der Wiederholung ist für Jörg Ahrnt wichtig. Über seine Arbeitsweise sagt Ahrnt: „Es ist eine Art Weltflucht aus einer auf Effizienz getrimmten Gegenwart.“ Indes geht es ihm nicht bloß um Eskapismus. In der extrem langsamen Vorgehensweise behauptet sich für Ahrnt die Autonomie der Kunst.

Andreas Gärtner, Untitled, 2014

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