26. Januar 2017

Alla Poppersoni und Alexander Sahm verbinden als BBB_ Musik, Philosophie, Performance und Medienkunst. Nun erscheint ihr Debütalbum und ein neues Video.

Von Eugen El

Wer sind wir heute, in einer post-digitalen Ära, in der die meisten jungen Menschen eine Welt ohne Internet nicht mehr kennen? Wie sieht die Philosophie einer Zukunft aus, die schon eingetreten ist? Solche Fragen stellt sich das 2015 gegründete, interdisziplinäre Kunstprojekt BBB_, das nach eineinhalbjähriger Arbeit sein Debütalbum „I D RATHER BE AN I PHONE“ beim Label saasfee* rec. veröffentlicht. BBB_, das sind Alla Poppersoni und Alexander Sahm. Beide studieren Elektronische Medien an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Ihr Projekt steht für eine vielseitige Melange aus Musik, Philosophie, Performance und Medienkunst. Das wird schon beim ersten Kontakt mit „I D RATHER BE AN I PHONE“ deutlich.

Das Booklet ist eine visuell überbordende Mischung aus Screenshots, Texten, Fundstücken und eigenen Produktionen von Poppersoni und Sahm, deren Antlitz man dort oft begegnet. Mithilfe der Augmented-Reality-App „Aurasma“ kann das Booklet zum Leben erwachen. Ein gelbes Emoji, das sich auf mehreren Seiten manchmal gut sichtbar, manchmal versteckt, findet, ist der Schlüssel zu dem animierten und sprechenden Bonusmaterial. Poppersoni und Sahm haben es eigenständig programmiert. „Wir wollen, dass man sich mit dem Booklet beschäftigt“, sagen sie. Auch der Flyer und das Plakat zum Album-Release sind „augmented“. „I am happy to be alive“, verkündet mit maschineller Stimme ein auf dem Smartphone-Bildschirm zum Leben erwecktes Emoji.

Notizen auf dem Smartphone

Kantig, ja vielleicht hart wirkt die Musik, für die Alexander Sahm verantwortlich zeichnet. „Mir war es wichtig, dass die Musik digital und elektronisch klingt“, sagt Sahm. Er verwendete absichtlich vorgefertigte Sounds aus einem Musikprogramm – „Sound-Ready-Mades“, wie sie Alla Poppersoni nennt. „Es ist viel interessanter, etwas zu recyclen als etwas komplett Neues zu produzieren“, sagt Poppersoni. Ihre englischsprachigen Texte changieren zwischen Kurzprosa und Theorie, zuweilen fordernd vorgetragen. Sie klingen nicht wie Songlyrics, und so sind sie auch nicht gedacht. Poppersonis Texte entstehen als Notizen auf dem Smartphone. Eine große Inspiration sei für sie die Posthumanismus-Theoretikerin Rosi Braidotti, erzählt Poppersoni.

BBB_ / Alla Poppersoni & Alexander Sahm © Robert Schittko

Der Haupttrack „I'd Rather Be An iPhone“ wurde von einem Vortrag der Feministin Helen Hester angeregt. In einem Stakkato schwirren philosophische und medientheoretische Thesen durch den Text, der in der Zeile gipfelt: „I'd rather be an iPhone than a woman.“ Schnell stellt man fest, dass Alla Poppersonis Stimme in den Aufnahmen zuweilen künstlich, ja maschinell klingt. Tatsächlich hat Poppersoni ihre Stimme synthetisiert. Sie nutzt in „I D RATHER BE AN I PHONE“ zum Teil ihre Computerstimme, manchmal aber auch ihre echte – die man indes kaum voneinander unterscheiden kann. Von einem „Stimmobjekt“ spricht Poppersoni. Auch hier zeigt sich die philosophisch unterfütterte Technikaffinität von BBB_.

Eine intensive Erfahrung

Schon jetzt kann man das Video „Y“ aus dem neuen Album sehen. Die Besucher des Album-Release am 2. Februar im Frankfurter Club und Bar AMP erwartet zudem eine etwa 35-minütige Live-Show von BBB_. Eine Mischung aus Alla Poppersonis Live- und Computerstimme, musikalische Live-Effekte und Visuals sind nur einige Komponenten der Show. „Wir werden nicht auf einer Bühne stehen“, kündigt Alexander Sahm an. Vielmehr werden Poppersoni und Sahm mitten im Raum performen, was angesichts der kompakten Größe des AMP eine intensive Erfahrung verspricht. Bei der Eröffnung der Gruppenausstellung "It's a good day to have a good day" am 3. Februar zeigt BBB_ eine neue Performance, die auf Alla Poppersonis viermonatigen Aufenthalt in Shanghai im Jahr 2016 zurückgeht.

© BBB_/Poppersoni/Sahm
© BBB_/Poppersoni/Sahm

Spiritualität ist das Thema der „Buddha App Says“ betitelten Performance. Sie dreht sich um eine altar-artige Installation. Es wird zum einen Musik zu hören sein, die ausdrücklich meditativ wirken soll. Auch wird Poppersonis digitale Stimme eingesetzt, die als eine Art „Prediger“ fungiert. Alla Poppersoni und Alexander Sahm haben indes keine Zeit zum Meditieren. Es geht ohne Pause weiter. Schon am 17. Februar tritt BBB_ beim „Vorspiel“ zum Berliner Festival „Transmediale“ auf. Eine Tour mit „I D RATHER BE AN I PHONE“ ist in Planung.

© BBB_/Poppersoni/Sahm