06. April 2017

Das Künstlerkollektiv YRD.Works hat schon eine Saunabar, ein Fitnessstudio, einen Club und eine Kunsthalle gegründet. Nun eröffnen sie im Mousonturm eine Messerschmiede.

Von Eugen El

„Wir werden in den nächsten Wochen im Künstlerhaus Mousonturm Messer herstellen. Wir bauen hierfür eine kleine Fabrik, die wie ein Parasit den Großteil des Mousonturm-Lokals in Beschlag nehmen wird.“ Mit ihrer Ankündigung vermag das Offenbacher Künstlerkollektiv YRD.Works wieder zu überraschen.

David Bausch, Yacin Boudalfa und Ruben Fischer haben schon verschiedene Formate gegründet und gebaut – eine Saunabar, ein Fitnessstudio und einen Club beispielsweise. Mit der „Kressmann-Halle“ haben sie im Sommer 2016 einen neuen Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst im Offenbacher Hafen etabliert.

Interaktion mit den Besuchern

Nun verwandeln YRD.Works den Großteil des Mousonturm-Lokals für zwei Wochen in eine „Messerschmiede“. Eine zwölf Meter lange, schlauchartige Box entsteht dafür. Sie ist in vier Bereiche unterteilt, die für die verschiedenen Arbeitsschritte stehen. So werden im ersten, draußen liegenden Raumabschnitt die Messer aus Stahl geschmiedet. Im zweiten Abschnitt werden sie geschliffen – es werden Funken fliegen!

Foto: YRD.Works 2017

Im nächsten Abschnitt wird Holz verarbeitet, und die Griffe werden eingesetzt. Den für alle Besucher begehbaren Abschluss der „Messerschmiede“ bildet der vierte Abschnitt, der als Shop und Showbereich fungiert. Dort soll neben dem Verkauf die für YRD.Works typische Kommunikation und Interaktion mit den Besuchern stattfinden.

Limitiert aber bezahlbar

Die Räume sind weiß gestrichen, Neonlicht sorgt für nüchterne Arbeitsatmosphäre. Nichts soll an eine romantisch-nostalgische Manufaktur erinnern. „Weniger die handwerkliche Showeinlage für die Gäste des Restaurants als die Herausforderung, ein möglichst universell nutzbares Produkt zu entwickeln, treibt uns bei diesem Unternehmen“, sagen die Künstler.

Foto: YRD.Works 2017

Sie werden die Messer eigenhändig während der Öffnungszeiten herstellen. Es soll eine limitierte und nummerierte, aber bezahlbare Edition entstehen. Möchte man ein Messer von YRD.Works erwerben, muss man sich beeilen. Die ersten Bestellungen werden bei der Einweihung der „Messerschmiede“ am 7. April 2017 aufgenommen.

Werkzeug oder Waffe?

Die schon hergestellten Messer werden im Showbereich erst einmal gesammelt und präsentiert – ausgegeben werden sie am Ende der zweiwöchigen Projektlaufzeit. David Bausch, Yacin Boudalfa und Ruben Fischer sehen die „Messerschmiede“ als eine Geschäftsidee und ein Unternehmen.

Vor allem ist es ein Experiment. Die Ambivalenz ihres Projekts ist den Künstlern bewusst: „Was sind die von uns produzierten Messer? Alltäglicher Gebrauchs- oder limitierter Kunstgegenstand? Künstlerische Performance oder kommerzieller Pop-Up-Shop? Handwerkliche Präzisionsarbeit oder serielle Produktion? Werkzeug oder Waffe?“

Foto: YRD.Works 2017

Die „Messerschmiede“ markiert zugleich den Auftakt einer zweijährigen Partnerschaft zwischen YRD.Works und dem Künstlerhaus Mousonturm. Das Künstlerkollektiv wird im und um den Mousonturm sowie im Offenbacher Hafen „Projekte an der Grenze zwischen Performance, bildender Kunst und realer Marktwirtschaft“ entwickeln. Auf diese Weise soll der Gründungsmythos des Mousonturms – das Konzept „Künstlerhaus“ – neu interpretiert werden, sagt Anna Wagner, Dramaturgin am Mousonturm. Das Motiv der Box wird durch die nachfolgenden Projekte der Kooperation wandern, kündigen die Künstler an. Als Nächstes veranstalten die Kooperationspartner vom 2. bis 9. Juli 2017 die „1. Offenbacher Seefestspiele“ im Offenbacher Hafen.

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