10. November 2016

Seit 2002 zeigt die Frankfurter Galerie Perpétuel junge zeitgenössische Kunst. Nun versammelt Galerist Milorad Prentovic mehrere Dutzend „seiner“ Künstler zu einer Gruppenausstellung.

Von Eugen El

Es ist eine Art Klassentreffen, oder, wenn man so will, eine Familienzusammenkunft. Unter dem Titel „Coming all together“ zeigen über sechzig Künstler in der Frankfurter Galerie Perpétuel kleinformatige Arbeiten. Alle denkbaren Medien sind vertreten – Malerei und Zeichnung, Druckgrafik und Skulptur, Objekt, Fotografie und Video. Die Räume in der Oppenheimer Straße sind nicht groß, was für eine relativ dichte Hängung sorgt. Galerist Milorad Prentovic kontaktierte alle Künstler, die bei ihm seit der Gründung der Galerie im Jahr 2002 ausgestellt haben und bat um je ein Werk. Ein Thema gab Prentovic nicht vor.

Anny und Sibel Öztürk in der Galerie Perpétuel, Frankfurt

Um einen Eindruck vom bisherigen Ausstellungsprogramm der Galerie zu bekommen, sollte man im zweibändigen Gästebuch blättern, das Einladungskarten, Zeitungsberichte und Besuchereinträge enthält. Das Buch ist eine Chronik der jungen Frankfurter Kunst der letzten fünfzehn Jahre. Zu „seinen“ Künstlern fallen Milorad Prentovic immer Geschichten ein. Viele Künstler kennt und begleitet Prentovic schon jahrelang, wie beispielsweise die Malerin Corinna Mayer. Vier Einzelausstellungen hatte sie bisher bei Perpétuel. In der aktuellen Schau ist Mayer mit dem eindrücklichen Bildnis einer dunkelhäutigen Frau vertreten. Es tritt in einen Dialog mit einer Tuschezeichnung von Edwin Schäfer.

Auch Ammann kuratierte hier

„Ein toller Künstler, mag ich sehr!“ – Immer wieder demonstriert Prentovic beim Blättern des Gästebuchs seine Begeisterung für die Künstler und ihre Arbeiten. 1992 kam er nach Frankfurt. Zuvor hatte er schon Galerien in Belgrad und Dubrovnik. „Ich lebe nur für die Kunst“, sagt Milorad Prentovic. Viele Künstler, die in der Galerie Perpétuel ausstellten, studierten an der Städelschule. Einige verließen Frankfurt nach dem Studienabschluss, manchmal brach der Kontakt ab. Andere, wie beispielsweise der Franzose Naji Kamouche, kamen mit einem Residenzstipendium nach Frankfurt. 2009 und 2015 stellte er bei Perpétuel aus.

Naji Kamouche in der Galerie Perpétuel, Frankfurt

Kamouches Zeichnung, die er für die aktuelle Ausstellung schickte, zeigt einen jungen Mann mit einem Sturmgewehr. Gegenständliche und abstrakte Arbeiten halten sich in der Ausstellung die Waage. Einige Blätter wirken schon fast ornamental. Der Frankfurter Künstler Ulrich Becker arbeitet bevorzugt mit Klebefolie. Daraus entwickelte er eine grafische Komposition voller filigraner Striche. Auch Künstler der jüngeren Generation, wie die Maler Xue Liu und Sarah Schoderer sowie die Bildhauerin Emilia Neumann, sind in der Schau vertreten. Mehrmals kuratierte zudem der 2015 verstorbene ehemalige MMK-Direktor Jean-Christophe Ammann Ausstellungen in der Galerie.

Kunst-Höhepunkte

Die Künstler Stefanie Trojan, Barak Reiser und Snežana Golubović haben ebenfalls eigene Arbeiten beigesteuert. So ist unter anderem die Fotodokumentation einer Performance von Stefanie Trojan zu sehen. Seit einiger Zeit treten alle drei unter dem Namen TRaG als Performancekollektiv in Erscheinung. Il-Jin Atem Choi, momentan an der Städelschule bei Tobias Rehberger, war schon vor seinem Studium künstlerisch aktiv. 2012 zeigte er in der Galerie Perpétuel eine Wandzeichnung und veranstaltete ein Happening.

Kahrin Sonntag in der Galerie Perpétuel, Frankfurt

„Super Cool“, „Great“ – oft begegnet man im Perpétuel-Gästebuch ausdrücklichem Lob. „Prima! Ein Kunst-Höhepunkt diesen Sommer“, schreibt ein Besucher zur Ausstellung der Malerin Viola Bittl im Jahr 2013. Auch fällt auf, dass es eine treue Besuchergemeinde gibt. Die Kunstzeitreise mittels Gästebuch endet in der Gegenwart. Noch sind viele Seiten unbeschrieben. Die Arbeit der Galerie geht weiter. Der Blick gilt indes wieder den Werken. Wie schade, dass jeder Künstler nur eine einzige Arbeit beisteuern konnte, denkt man sogleich. Wie gerne hätte man von jedem mehr gesehen. Das nennt man wohl Suchtgefahr.

Emilia Neumann in der Galerie Perpétuel, Frankfurt
Thomas Hartmann in der Galerie Perpétuel, Frankfurt