19. Juni 2017

Die Frankfurter Ausstellung „International Affairs“ versammelt fünf zumeist malerische Positionen, die engagiert auf internationale Themen und Konflikte der Gegenwart blicken.

Von Eugen El

„Ich versuche, mit dem Raum eine Alternative zu schaffen“, sagt Deniz Alt. Der Frankfurter Künstler hat seit 2007 schon einige Ausstellungen auf dem ehemaligen Teves-Industriegelände im Stadtteil Gallus organisiert. Zuletzt wurde es jedoch still um den „Balken“ betitelten Ausstellungsraum. Nun meldet sich Alt zurück: Die Schau „International Affairs“ versammelt fünf künstlerische Positionen und beleuchtet aktuelle internationale Themen aus dem jeweiligen biografischen Blickwinkel der beteiligten Künstler heraus. „Es stecken viele politische Geschichten in den Biografien, die wir in unserer Kunst wiederfinden“, erläutert Deniz Alt.

In dem großzügigen, rau wirkenden Dachgeschossraum ist viel Malerei zu sehen. Das Berliner Künstlerduo Römer + Römer zeigt sieben teils kleinformatige Bilder aus einer Serie über das alternative „Fusion“-Festival, das jährlich auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Römer + Römer haben vier Jahre in Folge das Festival für elektronische Musik besucht. Das Künstlerduo schoss dort zahlreiche Fotos und übertrug einige anschließend auf Leinwand. Römer + Römer malen, ohne Mischtöne zu verwenden, in einer pointillistischen Manier. Die Gemälde erscheinen aus der Nähe verpixelt und erfordern vom Betrachter einigen Abstand.

Armstrongs Fußabdruck

Mit Punkten und Pixeln als Abstraktionswerkzeug arbeitet auch der Karlsruher Maler Andreas Lau. Er nutzt vor allem vorgefundene, bisweilen ikonische Bilder als Vorlagen für seine Gemälde. Durch die Aufsplitterung der Motive in Rasterpunkte unterschiedlicher Größe lässt Lau das Illustrative in den Hintergrund treten. Abstrakte Muster werden sichtbar. Gleichwohl lassen sich die Motive noch erkennen. So präsentiert er unter anderem das Gemälde „Little Boy“, das die gleichnamige, 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe zeigt. Auch den Fußabdruck des US-Astronauten Neil Armstrong auf dem Mond hat Andreas Lau ins Bild gesetzt.

Andreas Lau, Baby 1, 2011, Copyright the artist

Die in Barcelona lebende, dänische Künstlerin Annette Merrild fotografiert seit einigen Jahren Frauen, die Bondage-Fesseln benutzen oder als modisches Accessoire tragen. Merrild überarbeitet die Fotografien mit Farbe und Bauschaum, der die Haut der abgebildeten Frauen fleischig wirken und räumlich hervortreten lässt. Von Körpern durchzogen ist auch die Arbeit der gebürtigen Iranerin Parastou Forouhar, die seit 1991 in Deutschland lebt. Auf den ersten Blick könnte man noch eine ornamentale Anordnung vermuten. Bei näherer Betrachtung zeigt der Digitalprint eine beängstigende Szenerie voller fallender, gleichsam herabregnender Menschen.

Dunkle Ecken der Geschichte

Beständig engagiert sich Forouhar für die Aufklärung der Ermordung ihrer Eltern in Teheran im Jahr 1998. Gewalt und Unterdrückung sind die biografisch mitbedingten Themen ihrer Kunst. Ein 1915 verübtes Gewaltverbrechen, der osmanische Völkermord an den Armeniern, ist seit nunmehr fünfzehn Jahren Thema für Deniz Alt. Der Städelschulabsolvent mit unter anderem türkischen Wurzeln thematisiert den Genozid in seiner Malerei, aber auch in Installationen. Mit den Jahren habe sich sein Thema universalisiert, sagt Alt. Zuletzt ließ er bemalte Leinwände in Eisblöcke einfrieren, die er dann ausstellte. Durch die Körperwärme der Ausstellungsbesucher veränderten sich die Objekte sichtbar. Deniz Alt fragt sich, woher die weltweit anhaltende Faszination für Gewalt und autoritäre Herrscher kommt. „Ich stöbere in den dunklen Ecken der Geschichte“, sagt der Künstler.

Annette Merrild, Paris 31, 2015, Copyright the artist
Deniz Alt, Denn sie wissen nicht was sie tun, 2014, Copyright the artist

Nur vordergründig heiter sind die Leinwandarbeiten von Sascha Boldt. Der in Berlin und Frankfurt lebende Künstler bezeichnet seine Werke als „hybride Konstruktionen“. Von alltäglichen und medialen Bildern und Eindrücken ausgehend, lässt Boldt in mehreren Arbeitsschritten den Unterschied zwischen analog und digital, zwischen Malerei und Photoshop verschwimmen. Sascha Boldt möchte den Betrachter dazu bewegen, „immer wieder hinzugucken und neue Dinge zu entdecken“. Ein genauer Blick auf Boldts Bilder offenbart unter anderem Umweltverschmutzung und Flüchtlingskrise als seine Themen.

Sascha Boldt, Water issues, 2017, Copyright the artist