09. Januar 2018

Der Frankfurter Künstler Michael Riedel hat für seine Ausstellung „Geldmacher“ im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank eigene Banknoten produzieren lassen.

Von Carina Bukuts

Als eine Vielzahl an Banken im Zuge der Finanzkrise 2008 aufgrund ihrer Spekulationsgeschäfte Insolvenz anmelden mussten, schwand das Vertrauen der Bürger in die Institution Bank. Ihr mühevoll erspartes Geld wurde von Investoren verspielt und war weg. In Sicherheit konnten sich scheinbar nur diejenigen wiegen, die ihr Bargeld unter dem Kopfkissen gebunkert hatten. Damit war es zwar nicht vor Einbrechern sicher, aber dafür vor der Gier des Kapitalmarkts, denn wie heißt es doch so schön: Nur Bares ist Wahres.

Dieser Gedanke drängt sich einem auch beim Besuch von Michael Riedels aktueller Ausstellung im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank auf. Bereits der Titel „Geldmacher“ referiert auf den Produktionsprozess der gezeigten Arbeiten, bestehen diese vorwiegend aus Banknoten, die der Künstler entworfen hat. Insgesamt 300.000 Geldscheine hat Riedel auf originalem Banknotenpapier aus Baumwolle drucken lassen.

Die Ästhetik der Währung

Hierbei hat er für alle sieben Formate der unterschiedlichen Euroscheine (5, 10, 20, 50, 100, 200, 500) ein entsprechendes Äquivalent produziert. Doch die Ästhetik seiner Währung hat keine Ähnlichkeit zu herkömmlichen Euros: Die bunten Scheine mit Bauelementen europäischer Stilepochen wirken im Vergleich zu dem Kunstgeld von Riedel geradezu expressiv. Die Scheine des Künstlers sind in seiner typisch formalen schwarz-weiß Schriftbildästhetik gehalten und erinnern durch die Strukturen der kleinen Zahlen entfernt an den Vorspann des Science-Fiction Film Matrix.

Michael Riedel – Geldmacher, © Wolfgang Günzel

Doch wer einen aufmerksamen Blick auf die Banknoten des Konzeptkünstlers wirft, erkennt, dass er nicht nur Zahlen auf dem Papier platziert hat, sondern auch Satzfragmente. Auch wenn diese so klein skaliert sind, dass man sie beinahe nur als grafische Linien erkennt, ist diese Textebene der wesentliche Kern der Arbeit, indem sie die vollständige E-Mail Korrespondenz zwischen Michael Riedel und seiner New Yorker Galerie von 2009 bis 2017 abbildet. Der Ausstellungstitel „Geldmacher“ bekommt somit, neben dem Verweis auf das produzierte Kunstgeld Riedels, noch eine weitere Dimension.

Aufnahme oder Ablehnung

Es gibt viele Künstler, die versuchen ihre kreative Arbeit strikt vom Kunstmarkt zu separieren, doch Michael Riedel gehört zu den Wenigen, die diesen gerade als Ausgangspunkt für ihre künstlerischen Produktionen nehmen. So auch zuletzt bei der diesjährigen Art Cologne, wo Riedel die Zulassungssitzung der Messe aufzeichnete. Das Transkript der Sitzung, in der über die Aufnahme oder Ablehnung der Galerien entschieden wurde, setzte er dann als grafische Installation in der Eingangshalle der Messe um.

Michael Riedel – Geldmacher, © Wolfgang Günzel

Während es bei Kunstmessen unüblich ist, mit dicken Geldbündeln zu wedeln, ist man bei der Ausstellung „Geldmacher“ dazu verleitet gerade auf die Bündelung zu achten. Denn anders als in einer kindlichen Vorstellung von einem Meer an Bargeld, in welches Dagobert Duck eintaucht, sind die Scheine bei Michael Riedel feinsäuberlich in Vitrinen platziert und jeder Geldwert scheint eine eigene Positionierung und Stapelweise in der Ausstellung zu haben.

Doch wohin mit all dem Geld?

Die erste Vitrine stellt sich dem Besucher frontal in den Weg und die Bündel darin bilden ähnlich hohe Stapel. Sie sind an den äußersten Rand der Glasscheibe gepresst, wodurch sich in der Bündelung lineare Muster ergeben, die an ISBN-Nummern denken lassen. In einer weiteren Vitrine fallen die Bündel wie Dominosteine um und man erkennt hier nun deutlich den silbernen Glanzstreifen, der bei Euros als Sicherheitsmerkmal dient. Die Stapelung selbst wird so zu einer eigenen grafischen Arbeit innerhalb der Ausstellung.

Michael Riedel – Geldmacher, © Wolfgang Günzel

Doch wohin mit all dem Geld? Eine Antwort darauf bietet die Grafikserie „Ohne Titel (Filter_Slash_Backslash_)“, die als wandfüllende Tapete im Ausstellungsraum gezeigt wird. Ausgangsmaterial dieser Arbeit sind nämlich Programmiertexte zur Bargeldlogistik, in denen die Einlieferungen von Bargeld in Bankfilialen beschreiben werden. Riedel hat diese in eine ästhetische Form gebracht, in der die Information in den Hintergrund tritt und nur noch die Grafik als Ereignis bleibt: Eine hellgrüne Fläche mit Satzzeichen und Textfragmenten.

Michael Riedel hat sich für seine Ausstellung „Geldmacher“ unterschiedliche Verfahren der Bundesbank angeeignet – von vertraulichen Informationen bis zur eigenen Geldproduktion – und macht somit interne Prozesse in einer künstlerischen Form sichtbar, die sonst nicht zugänglich wären und doch bleibt am Ende immer noch eine Frage ungeklärt: Wer ist denn nun der „Geldmacher“ bei dieser Ausstellung, wenn auch noch der Eintritt umsonst ist?

Michael Riedel – Geldmacher, © Wolfgang Günzel

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