13. April 2018

Der Soundtrack zur Ausstellung “Power to the People” in der SCHIRN vereint Songs von 1937 bis heute, von Billie Holiday, Nina Simone und Stevie Wonder bis hin zu Mona Haydar und Kendrick Lamar. Sie alle üben Kritik am politischen System und der Ungleichheit auf dieser Welt.

Von Schirn Magazin

Ob aus den USA, Südamerika und Afrika, dem Balkan, Beirut oder Palästina - all die Musikerinnen und Musiker im SCHIRN SOUNDTRACK rufen mit ihren Songs zum Widerstand auf, zum Hinsehen anstatt zum Wegsehen und dazu, mal genauer darüber nachzudenken, in welcher Welt wir eigentlich leben möchten.

Die Playlist setzt ein mit Billie Holiday, wir schreiben das Jahr 1937. Ihr Song „Strange Fruit“ war einer der ersten, der mit einer expliziten politischen Botschaft in die Entertainmentarena vordrang. Darin spielt sie auf die grausamen Lynchmorde an Afroamerikanern der Zeit an. Auch andere Musikerinnen, wie die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba – eine der einflussreichsten Stimmen des Widerstands gegen die Apartheid – oder Nina Simone mit ihrem Song „Why? (The Kind Of Love is Dead)“ (1970), den sie drei Tage nach Martin Luther Kings Ermordung aufnahm, übten Kritik am Rassismus und der Diskriminierung Schwarzer.

Happy Birthday für wen?

Weniger bekannt hingegen mag Vielen der eigentliche Anlass des beliebten Klassikers „Happy Birthday“ (1981) von Stevie Wonder sein. Er war eigentlich nur genau einem Geburstag gewidmet, nämlich dem von Martin Luther King, den Stevie Wonder, Bob Marley und Gil Scott-Heron in den USA als Feiertag einführen wollten. 

I just never understood
How a man who died for good
Could not have a day that would
Be set aside for his recognition

Stevie Wonder, Happy Birthday, 1981

Neben diesen Größen der Musikgeschichte enthält der SCHIRN SOUNDTRACK auch noch ganz andere Stimmen, wie beispielsweise die der libanesischen Sängerin Fairuz. Vor dem Hintergrund des ausbrechenden Bürgerkriegs im Libanon in den 70er Jahren gab sie sich bewusst unpolitisch und trat daher verstärkt im Ausland auf. Die französische Band Mano Negra wiederum, gegründet 1987 durch Manu Chao, spielen in „Senor Matanza“ (1994) auf die Ungleichheit von Besitz und Einkommen in Südamerika an.

Aus der Heimat vertrieben

Auch die Puerto-Ricanische Band Calle 13 setzt sich mit den anhalten Problemen in Südamerika auseinander. Ihr Hit „Pa’l Norte“ mit der kubanischen Hip-Hop Band Orishas wurde bei den Annual Latin Grammy Awards 2007 mit dem Best Urban Song Award ausgezeichnet. Er handelt vom Kampf illegaler südamerikanischer Einwanderer, häufig indigenen Ursprungs, die sich auf dem Weg „gen Norden“ auf die Suche nach einem besseren Leben begeben.

Die syrisch-amerikanische Aktivistin Mona Haydar weckte erst vor einem Jahr mit ihrem Rap-Video „Hijabi“ international Aufmerksamkeit, das sie am 27. März 2017, dem ersten Tag der Begehung des Muslim Women's Day, veröffentlichte. Vielleicht etwas weniger offensichtlich als Gegenstand politischer Kritik, und doch so nahe liegend, thematisiert das amerikanisch-französische Elektro-Pop-Duo Kid Francescoli mit ihrem Song „Come online“ (2017) die Abhängigkeit von den sozialen Medien, die unser Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe gezielt einsetzen und (aus)nutzen.

All around the world love women every shading

Mona Haydar, Hijabi, 2017

Und so lässt sich die Liste ewig fortsetzen, der SCHIRN SOUNDTRACK zur POWER TO THE PEOPLE Ausstellung enthält noch so viele, ganz andere Stimmen. Also, einschalten, anhören und vor allem: einmal die Ohren spitzen, wovon die Musik eigentlich handelt!