22. Mai 2013

Die neue Serie: Das Frankfurter Illustratoren-Duo "von Zubinski" LEBT UND ARBEITET IN FFM. Kirsten Fabinski und Zuni Fellehner zeichnen und entwerfen seit über zehn Jahren im Doppelpack. Ihre markanten Illustrationen findet man in Büchern, der Zeitung, auf Flyern, Postern, Taschen und T-Shirts.

Von Alexander Jürgs

„Das war unser Bestseller im Weihnachtsgeschäft“, sagt Kirsten Fabinski und zeigt auf einen gerahmten Druck. „Finanzamt go home“ steht darauf. Zusammen mit Zuni Fellehner betreibt sie seit mehr als zehn Jahren die Designagentur „von Zubinski“. Und seit einiger Zeit auch das Label „Zubinski Products“. Zu für Zuni. Binski für Fabinski. Den Adelstitel haben sie sich einfach selbst verliehen.

Wahrgenommen werden die beiden vor allem als Illustratorenduo. „Dagegen haben wir uns lange gewehrt“, sagt Zuni Fellehner. Denn aktiv sind sie auf vielen Feldern: Typografie, Grafikdesign, Fotografie, Werbung. „In das Illustrieren sind wir erst reingewachsen“, sagt Kirsten Fabinski.

Wenn sie in ihr Büro gehen, um zu arbeiten, dann sind Fabinski und Fellehner von Menschen umzingelt, die seit Ewigkeiten fast nichts anderes machen als zu illustrieren. „Von Zubinski“ sind Teil der Frankfurter Ateliergemeinschaft „Labor“. Philip Waechter arbeitet hier, der so schöne Kinderbücher wie „Der fliegende Jakob“ oder „Sehr berühmt“ gezeichnet und geschrieben hat. Oder Anke Kuhl, von der die Zeichnungen zu der großartigen Fiese-Sprüche-Sammlung „Alle Kinder“ („Allen Kindern schmeckt das Essen, nur nicht Jürgen, der muss würgen“) stammen. 

Das „Labor“ ist mehr als eine Bürogemeinschaft. Die „Labor“-Mitglieder treten häufig gemeinsam auf, arbeiten an gemeinsamen Projekten. Ihre erfolgreichste Zusammenarbeit ist das „Kinder Künstler Kritzelbuch“, das beim bekannten Weinheimer Buchverlag Beltz & Gelberg erschienen ist. Ein Malbuch mit Anleitungen, dabei aber kein bisschen bieder. Die jungen Künstler werden darin zum Beispiel aufgefordert, einen Pups zu zeichnen – oder Stinkfußindianer in voller Kriegsbemalung. Das „Kinder Künstler Kritzelbuch“ war ein riesiger Erfolg. Einige Nachfolger, Übersetzungen und Neuauflagen haben mittlerweile die Welt erblickt, über 200 000 Exemplare wurden schon verkauft.

Noch so ein Gemeinschaftsprojekt des „Labors“ ist die Seite „Jugend schreibt“ der FAZ. Für die wöchentlich erscheinende Seite mit Texten von Schülern liefert das „Labor“ seit einigen Jahren die Illustrationen. „Das ist machmal ganz schön kompliziert. Wir bekommen ein fertiges Layout und müssen die weißen Flächen mit Zeichnungen füllen“, erklärt Kirsten Fabinski. Mit der Folge, dass ein Pferdehals sich plötzlich über eine ganze Zeitungsseite ziehen kann. Das ist dann anatomisch alles andere als korrekt, aber sehr schick.

Nur für die „Kinderschiene“ zu produzieren, wäre den Zubinskis zu wenig. Deshalb sind sie froh, dass sie immer mehr Kunden aus dem Kulturbereich für sich gewinnen können. „Da darf man dann auch etwas kühler sein“, sagt Zuni Fellehner. Für die Lesungsreihe „8 Betrachtungen“, die das Frankfurter Literaturhaus gemeinsam mit dem MMK veranstaltet, haben sie den kompletten Grafikauftritt konzipiert. Das Leitmotiv ist eine Acht aus einem blauen und einem roten Kreis, einfach und einprägsam. Ein bisschen verspielt ist das Design trotzdem: Zusätzlich zu Flyern, Plakaten und einem Buchumschlag gibt es für „8 Betrachtungen“ auch Bleistifte mit zwei Enden. Die eine Seite schreibt rot, die andere blau.

Dass Illustratoren oder Zeichner im Doppelpack auftreten, ist eher ungewöhnlich. „Alleine arbeiten liegt uns einfach nicht“, sagen die beiden. Früher haben sie ihre Zeichnungen oft noch einzeln signiert, heute treten sie grundsätzlich gemeinsam auf. Dabei haben sie längst einen gemeinsamen Stil gefunden: Nur die allerbesten Freunde der beiden können noch unterscheiden, wer welches Motiv gezeichnet hat. Häufig machen sie es auch so: Eine fängt an zu zeichnen, die andere macht weiter. „Oder wir haben unsere Schoßsitzungen. Da sitzen wir zusammen vorm Rechner, wählen Farben aus, bearbeiten Details.“ 

Die Budgets für ihre Projekte sind meistens klein, weit in die Zukunft können die Zubinskis nicht planen. Trotzdem bereuen die beiden nicht, dass sie sich vor zehn Jahren gegen eine klassische Karriere in der Werbung entschieden haben. Zuni Fellehner hat nach dem Abschluss ihres Studiums an der FH Wiesbaden eine Zeitlang als Festangestellte in einer Agentur gearbeitet. „Was toll an der Werbung ist: Man kann richtig aus den Vollen schöpfen“, sagt sie. „Trotzdem hat mich das System nicht glücklich gemacht. Da habe ich schnell gemerkt: Hier wirst du ausgequetscht.“

Umso glücklicher sind Fabinski und Fellehner nun im „Labor“ – und in Frankfurt. Kirsten Fabinski liebt es, in einer Stadt zuhause zu sein, in der sie jeden für sie wichtigen Ort mit dem Fahrrad erreichen kann. „Wir bleiben hier. Die anderen, die alle nach Berlin gezogen sind, haben auch kein besseres Leben als wir“, sagt sie.

Zuni Fellehner sieht es nicht anderes: „Ich wollte immer weg, nach Australien. Dann aber habe ich meinen Freund kennengelernt und bin geblieben. Heute bin ich mir sicher: So ein schönes Arbeitsumfeld wie hier bekomme ich nirgendwo.“