28. Juni 2017

Am 30. Juni übernehmen Edna Martinez und Isa GT den musikalischen Part des Sommerfestes der SCHIRN, das gleichzeitig die Eröffnung der Ausstellung PEACE ist. Ihr Sound: steht für Vielfalt...

Von Teresa Köster

...denn, geboren in Kolumbien, hat es beide DJs, Edna Martinez und Isa GT, nach Berlin verschlagen, wo sie den Sound ihrer Heimat in die europäischen Gefilde bringen, um daraus etwas vollkommen Neues zu schaffen. Wie das klingt und welche Bedeutung Musik für sie hat, erzählen die beiden im Interview auf dem SCHIRN MAG.

Isa GT, Foto: Todd Hart
Edna Martinez, Foto: Dalís Pacheco

SCHIRN MAG: Musik ist für viele Identifikationsfläche, Erinnerungsträger, eine Übersetzung der eigenen Gefühle und Selbstwahrnehmung. Wie seid ihr zur Musik gekommen? Was bedeutet Musik in eurem Leben?

Edna: Bei uns zu Hause lief immer Musik im Radio. Wir sind nicht an Stille gewöhnt. Außerdem tanze ich sehr gerne und schon als Kind war es eines meiner Lieblingsspiele, zu den Schallplatten meiner Eltern Choreographien zu erfinden. Musik ist ein Motor, eine Kraft, durch deren Einfluss sich jede Stimmung verändern kann. Sie ist sehr mächtig – mit Salsa lässt sich zum Beispiel auch der Winter in Berlin besser ertragen.

Isa: Meine Eltern sind Musikliebhaber. Ich habe also sehr früh viel gute Musik kennengelernt, vor allem aus Plattensammlung meines Vaters. Musik war schon damals ein Output für meine Kreativität und eine Ausdrucksform.

Ihr beide seid in Kolumbien aufgewachsen und erzeugt auch in der Musik, die ihr spielt, Synthesen aus kolumbianischer Musik mit anderen Stilen. Wie klingt das?

Edna: Es klingt wie ein Sonntag in Cartagena de Indias, wo Kinder und Familien zu einem warmen Bass und lebendigen Rhythmen tanzen. Ich bin in dieser Hafenstadt an der Karibikküste von Kolumbien aufgewachsen; dort findet man eine sehr gemischte tropische Musikkultur…

Isa: Stimmt, wir sind beide mit dem beeindruckenden Reichtum der Musiktradition in Kolumbien aufgewachsen und empfinden für ihre Musik eine tiefe Liebe. Deshalb haben wir auch einen Weg gesucht – und gefunden –, sie mit anderen Stilen und Genres zu kombinieren und damit die Menschen zum Tanzen bringen. Denn genau darum geht es uns.

Was hat dich schließlich nach Berlin verschlagen, Edna?

Edna: Ich habe an der HGB in Leipzig studiert und bin schon damals fast jedes Wochenende nach Berlin gefahren, weil ich hier ein großes internationales und offenes Netzwerk gefunden habe. Außerdem fand ich hier die Musikszene sehr interessant.

Apropos Musikszene: Isa, nach einem Zwischenstopp in London lebst auch du mittlerweile Berlin. Hat sich deine Musik mit dem Umzug verändert und wie unterscheiden sich die Musiklandschaften der beiden Städte?

Isa: Berlin hat mir die Begeisterung für meine Musik und das DJing zurückgegeben. Hier gibt es so viele gute DJs und die Soundsystems einiger Orte finde ich wahnsinnig inspirierend. London wiederum ist wie mein Zuhause. Deshalb fühlt es sich immer gut an, zurückzukommen und dort zu spielen. Eine gute Balance von beidem, das ist für mich wichtig.

In London hast du auch das Kollektiv GIRLCORE mit begründet.

Isa: Ja, ich bin Teil von GIRLCORE und wir haben gerade erst unser 10-Jähriges gefeiert. Das war fantastisch! Kollektives Arbeiten ist großartig: wenn du gleichgesinnte Menschen triffst und jeder etwas anderes einbringt, eine andere Expertise, der du aber vertrauen kannst – so erreicht man spannende Resultate.

Woran arbeitest du gerade, wenn du nicht auflegst?

Isa: Für mein eigenes Label und an neuer Musik. Am Ballhaus Naunynstraße in Berlin habe ich außerdem das Sound-Design für Performances gemacht und bin aufgetreten.

Edna, du wiederum engagierst dich im Kulturbetrieb der kolumbianischen Gemeinde in Berlin und veranstaltest u.a. auch eigene Musikveranstaltungen. Was steht bei dir aktuell auf deinem Veranstaltungsplan?

Edna: Ich arbeite an verschiedenen multikulturellen Kulturprojekten mit: Puentes Mestizos e.V., Kréyol, Flying Arabs, Prende la Vela. Dank des Puentes Mestizos e.V. und in Kooperation mit anderen Institutionen präsentieren wir am 12. Juli eine sehr coole junge Band aus Kolumbien: El Caribefunk. Am 21. Juli spiele ich dann den Support für das Konzert von Celso Piña, einen großen mexikanischen Künstler; beides im Yaam. Außerdem bieten wir dem Publikum die Möglichkeit, einmal die Woche bei unserer kolumbianischen Tanzgruppe Canoafolk  mitzutanzen. Im September wird es nochmal eine neue Ausgabe von „Prende la Vela“ geben, wo sich Tanz, Folklore und elektronische Musik treffen – ein sehr interessanter Abend, der mir sehr am Herzen liegt.

Und was läuft bei euch privat, was bei euren DJ-Sets immer?

Edna: Afro-rooted Musik bei meinen DJ-Sets; privat höre ich vor allem Latin Jazz.

Isa: Privat lasse ich Musik gerne im Shuffle-Modus bei iTunes laufen. Das bringt mich oft zum Lachen oder überrascht mich, weil meine Musikauswahl dort so breit ist, dass ich dabei immer Sachen wiederentdecke, die ich längst wieder vergessen hatte. Bei meinen Sets versuche ich, auch die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, und die von meinem Musiklabel Etoro Records zu spielen.

Beim PEACE-Sommerfest der SCHIRN werdet ihr gemeinsam auflegen. Was können die Frankfurter erwarten?

Edna: Eine satte Mischung aus afro-latin Grooves.

Isa: Wir wollen die Leute auf eine musikalische Reise mitnehmen – mit einer Kombination aus großartiger Musik, die Spaß macht.

Apropos PEACE, was bedeutet Frieden für Euch?

Edna: Frieden ist für mich ein Prozess, welcher verschiedene Werte beinhaltet, ein geistiger Zustand.

Isa: Frieden beginnt von innen heraus: wenn du glücklich damit bist, wie und wo du bist. Mit dieser Zufriedenheit wird es möglich, das Gefühl weiterzugeben.