22. Mai 2014

Der Maler Louis Anquetin setzte neue Maßstäbe mit grellen Farben und einer kühnen Bildanlage. Die interaktive Bildanalyse seines Werkes "Femme à la voilette" zeigt seine Innovationskraft.

Von Ekkehard Tanner

Louis Anquetin, der 1861 in der Normandie geboren und 1932 in Paris verstorben ist, spielte eine kleine, aber bedeutende Rolle in der Entwicklung des Symbolismus. 1884 wurde er Malschüler im Atelier von Fernand Cormon, wo er Émile Bernard, Vincent van Gogh und Henri de Toulouse-Lautrec traf. In den 1880er-Jahren konzentrierte er sich auf zeitgenössische Pariser Themen und entwickelte mit Bernard den Cloisonismus, da beide den Postimpressionismus für überholt hielten. Der Begriff Cloisonismus leitet sich von Cloisonné ab, womit auf die kunsthandwerkliche Technik der Zellenschmelzkunst bei Emailarbeiten angespielt wurde.

Besonders die starken Konturen und die kaum mehr plastisch ausgearbeiteten Flächen, aber auch die grellen Farben und eine kühne Bildanlage jenseits der Regeln der Zentralperspektive, kennzeichnen den Cloisonismus.
Nicht lange sollte Louis Anquetin ein Maler der Avantgarde bleiben. Im Laufe der 1890er-Jahre wurde Anquetins Stil zusehends konservativer.

Er orientierte sich vermehrt am Stil Rubens' und wandte sich von Darstellungen des modernen Lebens ab.


In der innovativen Malweise des Cloisonnismus mit ihren festen schwarzen Umrisslinien und flachen Farbfeldern malte Anquetin 1891 auch eine nächtliche Straßenszene in der uns eine elegant gekleidete Pariserin einen mysteriösen Blick zuwendet, während Gewand und Fenster sich zu verselbständigen scheinen.

Interaktive Bildanalyse: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Punkte im Bild