28. Januar 2013

„Double Feature“ in der SCHIRN zeigt am 30. Januar 2013 Werke der in Berlin und London lebenden Künstlerin Hanna Schwarz.

Die 1975 in Stuttgart geborene Künstlerin Hanna Schwarz untersucht in ihren Filmen die Bedeutung von Tanz als Choreografie sozialer Aktionen und steht hier in einer langen Tradition der Beschäftigung bildender Künstler mit der Sparte Tanz. Für Schwarz ist die Flüchtigkeit der Bewegung und deren Dimension in Raum und Zeit zentraler Gegenstand ihrer Arbeit. Eine entscheidende Rolle spielt ebenso die Trennung der tänzerischen Choreografie von Musik und narrativen Elementen, wodurch Schwarz etwa einen illusionistischen Charakter des Gezeigten entlarvt. So löst sie schnelle Steppgeräusche von den umgesetzten Tanzschritten der Performerin und lässt hierdurch ein irritierendes Bild von Unprofessionalität des Geschehens entstehen.

Ein wichtiges Element innerhalb ihrer Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Werken der Performerin Yvonne Rainer, einer Schlüsselfigur der amerikanischen Avantgarde der 1960er- und 70er-Jahre. Offensichtlich wird dies in einer minimalistischen Ästhetik des Gezeigten und der Ironisierung des Tanzes an sich. In „Please" etwa zeigt die Künstlerin ein sketchartiges Protestszenario vor der Berliner Nationalgalerie, verwoben mit bühnenhaften Stepptanz-Sequenzen.Alltägliche BewegungsabläufeSchwarz verquickt darüber hinaus das Medium Film mit anderen künstlerischen Gattungen und lässt sich hierbei von Oskar Schlemmers-Körperposituren oder Alexander Calders Mobiles als choreografische Kompositionen im Raum inspirieren. „Pose" zeigt den wandelnden Blick eines Betrachters innerhalb einer musealen Sammlung als intime Auseinandersetzung mit den Posen antiker Skulpturen.

Ergänzend greift die Berlinerin immer wieder alltägliche Bewegungsabläufe wie konzentriertes Gehen, Laufen oder Anheben von Gegenständen innerhalb ihrer Kompositionen auf. Dies findet sich beispielsweise in „Give", bei dem sie anlehnend an den französischen Filmregisseur Robert Bresson mit dem konzentrierten Blick auf Hände und entsprechende Handlungen ein unbestimmtes Gefühl für eventuell sogar illegale Transaktionen erzeugt.

Ein tragisches Ende

Der Franzose Robert Bresson kam ursprünglich aus der Bildenden Kunst und fand in den 1930er-Jahren zum Film. Das Drama „Au hasard Balthazar" von 1966, das Schwarz im Anschluss an ihre eigenen Kurzfilme für das Publikum ausgewählt hat, erzählt parallel die Geschichten des Esels Balthasar und des Mädchens Marie, deren Leben nach unzähligen brutalen und essentiell einschneidenden Ereignissen tragisch enden.

Die Filmreihe „Double Feature", von Katharina Dohm und Matthias Ulrich kuratiert, widmet sich der Vielfalt des Mediums Film in der aktuellen Kunstproduktion. Einmal im Monat stellen nationale wie internationale Künstler eine Auswahl aus ihrem Oeuvre sowie einen persönlichen Lieblingsfilm vor. „Double Feature" findet in einem eigens von Künstler Michael Riedel entworfenen Kinoraum statt. Die dort integrierte Bar wird an diesem Abend von Städelschüler Graziano Capitta betrieben.