30. August 2012

Die neue Filmreihe „Double Feature“ startet in der SCHIRN mit der Filmkünstlerin Anja Czioska.

Von Fabian Famulok

Am 29. August startet die neue Veranstaltungsreihe „Double Feature" in der SCHIRN, die sich dem für die zeitgenössische Kunst wichtigen Medium Film widmet. Jeweils am letzten Mittwoch des Monats präsentiert ein nationaler oder internationaler Filmkünstler einen eigenen Film und anschließend einen ausgewählten Lieblingsfilm. Michael Riedel gestaltete eigens für die Veranstaltungsreihe einen außergewöhnlichen Kinoraum und Edward Bellen, Betreiber der legendären Roten Bar am Mainkai, betreibt eine Bar.

Den Auftakt der Reihe „Double Feature" bildet Filmkünstlerin und Kuratorin Anja Czioska. Sie lebt seit 1988 in Frankfurt, hat die Filmklasse von Peter Kubelka an der Städelschule besucht und war Meisterschülerin von Kasper König. In Frankfurt ist sie unter anderem als Mitbegründerin und Co-Direktorin des Kunstverein Familie Montez bekannt, einer wichtigen Institution der zeitgenössischen Frankfurter Kunstszene.

Filmpremiere mit prominenten Gästen

Anja Czioska präsentiert ihren neunzigminütigen Film „The Rise of the Underground" erstmals öffentlich. Der Film wurde für den Hessischen Filmpreis nominiert und von der Hessischen Kulturellen Filmförderung und der HR Filmförderung finanziell unterstützt, was es der Künstlerin ermöglichte, das Projekt mit einer 16mm Filmkamera umzusetzen.

„The Rise of the Underground" porträtiert zahlreiche in Frankfurt lebende Künstler und Persönlichkeiten des Kunstbetriebs aus dem Umfeld Czioskas, darunter Mirek Macke, Christoph von Loew, E.R. Nele, Günter Zehetner, Nikolaus Hirsch, Daniel Birnbaum, Douglas Gordon, Tomas Saraceno, Saul Judd u.v.a. Ein Großteil der im Film porträtierten Personen wird bei der Filmpremiere in der SCHIRN anwesend sein.

Ästhetische Heimat New York

Die experimentellen Filmaufnahmen entstanden meist spontan: Die Künstlerin, die in der Frankfurter Szene gut vernetzt und mit vielen der gezeigten Personen befreundet ist, versteht den Filmprozess selbst als einen performativen Akt und thematisiert stets die engen Bindungen zu ihren lokalen Netzwerken. Ein Großteil des Filmes wurde bereits während der Aufnahmen in der Kamera komponiert und später an einem 16mm Steenbeck Schneidetisch geschnitten. Entsprechend roh wirkt die Ästhetik des gezeigten Filmmaterials. Czioska benennt die amerikanischen Underground-Filme von Künstlern wie Andy Warhol, Jack Smith, George Kuchar und Jonas Mekas aus den 1960er-Jahren als ihre ästhetische Heimat.

Der Soundtrack zum Film wurde von Matthias Vatter komponiert und mit der Band „Matthias Vatter & The Rockers Company" eingespielt. Ebenso wie der Film, entstand auch die atmosphärische Musik in einer improvisierten, performativen Situation: Die Band spielte live eine Jam Session, während ihr der Film vorgeführt wurde. Czioska betitelt den Film als „Frankfurt Art Diary", ein Tagebuch in Filmform über ihre künstlerische Heimat Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet. Er entstand über einen Zeitraum von drei Jahren und wird von der Künstlerin in Zukunft weitergeführt.

Den im Anschluss präsentierten Kultfilm „Barbarella" von Roger Vadim aus dem Jahr 1968 wählte Czioska, um einen leichten und unterhaltsamen Kontrapunkt zu ihrem Film an den Abschluss des Abends zu setzen. Czioska ist ein großer Fan von Jane Fonda, den amerikanischen Sixties und der Filmästhetik, wie man ihr in „Barbarella" begegnet. Die Aufbruchfilme der 1960er-Jahre, zu denen Czioska auch „Harold und Maude", „Reifeprüfung" und „Bonnie und Clyde" zählt, haben es der Filmkünstlerin angetan. In der skurril-trashigen Science Fiction-Vision „Barbarella" spielt Jane Fonda eine Weltraum-Agentin.