07. Januar 2016

Die Künstlerin Cornelia Sollfrank setzt sich seit den 90er-Jahren mit Identitäten auseinander. Für das SCHIRN MAGAZIN beantwortet sie Fragen zum Umgang mit Identität in Zeiten sozialer Medienplattformen.

Von Schirn Magazin
Auf welche Weise hat sich das Verständnis von Identität (sowohl im rechtlichen wie im persönlichen Sinne) in den letzten 20 Jahren verändert?

Es ist leichter mehrere Identitäten zu besitzen und neue Identitäten zu konstruieren, sowohl online als  auch offline (Reisen, Leben in anderen Ländern, andere Sprachen sprechen – das alles sind Wege, die eigene Identität neu zu erfinden).

Wann und warum haben Sie begonnen, das Thema Identität künstlerisch zu verarbeiten?

Während meines Kunststudiums, als ich einsah, dass ich keine Malerin bin. Ich habe Arbeiten über mich selbst als Malerin geschaffen, in denen ich alle Klischees verwendete, die in Bezug auf Künstler existieren …

Ist unsere Wahrnehmung von Identität Teil Ihres künstlerischen Materials?

Unbedingt. Sie ist der Kern.

Wie umreißen Sie die Idee von Identität in Ihrer Arbeit?

Eine Erklärung würde zu lange dauern … Auf vielfache Weise, durch viele unterschiedliche Projekte, indem ich mich als „Malerin“, „Feministin“, „Cyberfeministin“, „net.artist“, „Aktivistin“, „Journalistin“, „Forscherin“,  „Akademikerin“, „Erzieherin“, „Organisatorin“, „Managerin“, „Herausgeberin“, „Networkerin“, „Coach“, „Hackerin“ usw. präsentiere.

Welche Erkenntnis ziehen Sie aus der künstlerischen Arbeit mit einem formbaren Verständnis von Identität?

Man braucht ein gutes Gedächtnis, um sich daran zu erinnern, in welchem Kontext man welche Rolle spielen muss ;-)

In der derzeitigen Ökonomie der Aufmerksamkeit legitimieren Wirtschaft, Marken, Mediennetzwerke und Institutionen kulturelle oder kommerzielle Praktiken durch soziales Kapital – Sehen Sie ihre eigene künstlerische Arbeit als Teil dieser Praxis an?

Das lässt sich nicht vermeiden und ist ein ständiger Kampf zwischen selbst spielen und Teil eines Spiels sein.

Was halten Sie von der Idee der Identität als quantifizierbares Gut?

Wie viele andere lächerliche Ideen dient sie dem Geschäftemachen.

Werden Identitäten durch die Verwendung von sozialen Netzwerken/Technologien Ihrer Meinung nach starrer?

Die Konstruktion von Identitäten ist zu einer gängigen Praxis geworden.

Wie werden Ihrer Ansicht nach Identitäten heute im Internet wahrgenommen?

Auf absolut naive Weise. Die meisten Menschen glauben, Sie würden die Person, die etwas im Internet teilt, durch diese Informationen kennen …

Haben Menschen Ihrer Meinung nach ein Recht auf Anonymität im Internet?

Unbedingt.

ÜBER CORNELIA SOLLFRANK:

Cornelia Sollfrank, PhD, ist Malerin, Feministin, Cyberfeministin, net.artist, Aktivistin, Journalistin, Forscherin,  Akademikerin, Erzieherin, Organisatorin, Managerin, Herausgeberin, Networkerin, Coach, Hackerin. Sie arbeitet derzeit an der Universität Århus in Dänemark in der Rolle einer Forscherin.

Projekte von Cornelia Sollfrank auf artwarez.com