18. Juli 2016

Diana Pfammatter lebt und arbeitet in Frankfurt. Die Fotografin lichtet Alpenhütten ab, zoomt nah an Körper heran, bastelt Emojis in Porträtaufnahmen herein – und schafft dabei ganz eigene Bildwelten. Aus Basel ist sie vor eineinhalb Jahren nach Frankfurt gekommen.

Von Alexander Jürgs

Diana Pfammatter ist eine hervorragende Gastgeberin. In ihrer Küche, die Wände schwarz, ein schöner alter Holztisch in der Raummitte, tischt sie Cappuccino, Gebäck und Wassermelonen auf. Und Center Shocks. Sie liebt die ultrasauren Kaugummis, war glücklich, als sie vor kurzem einen Kiosk direkt in der Nachbarschaft gefunden hat, der sie verkauft. „Das ist eine schöne Kindheitserinnerung“, sagt sie. Und: „Nicht zerkauen!“ Dann schlägt die Säure richtig zu.

Sie lacht – und redet los. Erzählt vom HyperWerk an der Hochschule für Gestaltung in Basel, an dem sie studiert hat und das sich als „Institute for Postindustrial Design“ definiert. Pfammatter, 29 Jahre alt, nennt es „die offenste Schule, die ich kenne“. Sie erzählt von ihren Anfängen als Foto-Assistentin, von den ersten Aufträgen, von ihren Arbeiten für die schweizerische Ausgabe des Magazins „Vice“, von der Wohnungssuche, von den Vor- und Nachteilen von Nebenjobs. 

Ein neuer Ort, neuer Input 

Nach Frankfurt ist sie vor eineinhalb Jahren gekommen. Ihr Freund, Kurator Fabian Schöneich, hat damals die Leitung der Ausstellungshalle Portikus übernommen. Recht kurzentschlossen und ohne die Stadt besonders gut zu kennen, hat sich Pfammatter entschieden, mit ihm an den Main zu ziehen. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren, ich wollte neuen Input“, sagt sie. Raus aus dem gemachten Nest, das war die Devise. „Ich mag das Taffe an Frankfurt“, sagt sie.

Die Stadt hat auch ihrer Arbeit einen Schub gegeben. Es ist für Fotografen wichtig, dass sie sich mit neuen Orten, neuen Situationen auseinandersetzen, um sich weiterzuentwickeln, sagt Pfammatter. Sie möchte versuchen, dass sie hier noch häufiger dazu kommt, freie Arbeiten zu entwickeln. Sie ist aber auch noch immer viel in der Schweiz, ein Großteil ihrer Auftraggeber sitzt dort. „Mit dem Zug sind es gerade einmal zweieinhalb Stunden bis Basel“, erzählt Pfammatter. Sie ist zur Pendlerin geworden. Ihren Arbeitsplatz hat sie sich in der Wohnung eingerichtet, auf dem Schreibtisch thront ein riesiger Bildschirm. „Aber meistens sitze ich doch auf dem Sofa und arbeite mit dem Laptop.“

Aufgewachsen ist sie im Wallis, im Südwesten der Schweiz, der Kanton grenzt an Frankreich und Italien. Pfammatters Mutter ist Italienerin, in ihrer Kindheit hat Pfammatter fast jedes Wochenende in Italien verbracht. Das Wallis ist unglaublich schön, mit seinen Bergen, der Natur. Aber wer einen Weg im Bereich der kreativen Berufe einschlagen will, kommt kaum darum, es zu verlassen. Pfammatter ging zunächst nach Bern, studierte ein Semester lang Geschichte und Politikwissenschaften. Als sie merkte, dass das nicht die richtige Wahl war („Ich war da verloren“), wechselte sie ans HyperWerk in Basel. Dass die Fotografie ihr Medium ist, war ihr von Anfang des Studiums an klar. 

Du bist schon ein bisschen komisch, oder?

Wir gucken uns die Fotografien an, die sie für ihre jüngste Ausstellung gemacht hat. „I and many more of me“ heißt sie, gezeigt wird sie im Kunstlehrstuhl der Berufsschule Baden. Seit 2011 initiiert die Schule den Austausch zwischen Künstlern und Schülern. In Workshops entstehen Projekte, die dann im Ausstellungsraum der Schule präsentiert werden. Pfammatters Bilder sind Nahaufnahmen der Körper der Badener Schüler, mit ihrer Kamera ist sie ihnen regelrecht auf den Leib gerückt. Man sieht die Linien einer Hand, ein Ohrläppchen voller Sommersprossen, man sieht Flecken, Narben und Piercings. Sie hat die Schüler befragt, ist mit ihnen ins Gespräch gekommen. Wie Jugendliche sich selbst sehen und wie sie sich in den sozialen Netzwerken zeigen und inszenieren, das ist schon lange ihr Thema. Von den Schülern in Baden wollte Pfammatter wissen: Was ist speziell an dir? Wie blickst du auf deinen Körper? Erst danach hat sie die Jugendlichen fotografiert. Sie erzählt, dass einer der Schüler nach dem Workshop zu ihr gesagt hat: Du bist schon ein bisschen komisch, oder?

Diana Pfammatter ist es wichtig, dass ihre Fotografien in der Zusammenarbeit mit den Menschen, die sie abbildet, entstehen. Sie arbeitet situativ, reagiert darauf, was der Moment bringt. Viele ihrer Fotografien sind komisch, sind skurril. Pfammatter spielt mit der Ironie, mit dem Humor. Martin Parr und Juergen Teller kommen einem in den Sinn, wenn man sich in den Fotografien auf ihrem Tumblr-Blog verliert. Da sieht man einen Chatter, der an einer Gurke lutscht, da wabern Emojis über Porträts, da gibt es dieses lustige Bild, auf dem neben einer gediegenen Alpenhütte ein knallbunter Plastikspielhäuschen für Kinder zu sehen ist. „Ich gehe selten ins Studio“, erzählt Pfammatter. „Ich mag das Ungeplante, ich mag es, beim Fotografieren einfach zu gucken, was passiert.“