07. Dezember 2012

Jannis Kaklamanos (32), Projektleiter aus Frankfurt, besuchte die Ausstellung „Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie“. Im Besucherinterview sprach er mit uns über seine Eindrücke.

Von Sylvia Meilin Weber

SCHIRN MAG: Der Impressionist Gustave Caillebotte ist in Deutschland noch nicht sehr bekannt. Was wusstest Du über den Künstler, bevor Du in die Ausstellung gegangen bist?

Jannis Kaklamanos: Im Zusammenhang mit Monet und Renoir hatte ich seinen Namen schon mal gehört. Über Caillebotte selbst wusste ich aber nicht viel.

SM: Wie hast du Caillebotte in der Ausstellung kennengelernt?

JK: Mich hat die revolutionäre Art seiner Malerei fasziniert. Er war ein Detailfanatiker. Seine Perspektive auf die Architektur, seine Genauigkeit, sein Spiel mit Licht und Schatten sind sehr besonders. Man sieht die Bewegung auf seinen Bildern und seine Portraits wirken wie gemalte Schnappschüsse – und das war zu seiner Zeit neu und ungewöhnlich.

SM: Hast du ein Lieblingswerk?

JK: „Interieur, lesende Frau“ ist mein Favorit. Das Bild drückt für mich einen emanzipatorischen Moment aus: Im Vordergrund sieht man eine ernsthafte Frau, die eine Zeitung liest. Im Hintergrund liegt ein Mann lässig auf dem Sofa und liest ein Buch. Das Gemälde entstand 1880. Für die damalige Zeit hätte ich die Rollenverteilung genau andersherum erwartet.

SM: Um zu zeigen, wie fotografisch Caillebottes Blick war, werden seine Gemälde durch Fotografien des späten 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts ergänzt. Wie hat dir diese Gegenüberstellung gefallen?

JK: Die Ausstellung hat mir insgesamt gut gefallen. Die vielen Fotos, vor allem in dem Raum mit den Stadtansichten, beeinträchtigen deutlich die Gesamtatmosphäre der Schau. Thematisch sind die Fotos sehr hilfreich.

SM: Wie hat dir die Architektur der Ausstellung gefallen?

JK: Sehr gut, denn man hatte nicht das Gefühl, einem festen Weg durch die Ausstellung folgen zu müssen. Man fühlte sich frei und konnte im eigenen Rhythmus durch die Räume streifen ohne den Überblick zu verlieren.

SM: Welche Eindrücke nimmst du von der Ausstellung mit nach Hause?

JK: Ich muss die Schau unbedingt noch ein zweites Mal besuchen – mit zwei Freunden: Der eine interessiert sich sehr für Fotografien mit der Camera obscura. Der andere ist ein Maler, der auf seinen Bildern nie Menschen abbildet, weil er der Auffassung ist, dass die gesamte Energie der Betrachter dann nur auf die menschlichen Figuren fokussiert ist. Caillebottes Werke beweisen aber das Gegenteil: Die Menschen auf seinen Gemälden ziehen nicht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich.