29. März 2018

Jean-Michel Basquiats Outfits waren eine permanente Inszenierung von Gegensätzen. Wie der junge Künstler damit zu einer Inspiration für Modedesigner und zum Vorbild für zahlreiche Künstler wurde – und das bis heute.

Von Schirn Magazin

Es ist diese kuratierte Lässigkeit. Als hätte man morgens blind in den Schrank mit den ausgemisteten Klamotten der Eltern gegriffen. So frei nach dem Motto: mal sehen was dabei rauskommt. Vielleicht der ausgeblichene Blouson vom Vater und die leicht unförmigen Mum Jeans, nachlässig in die vergilbten Tennissocken gestopft. Und dazu die verschlissenen weißen Turnschuhe. Der wilde Mix aus Second-Hand-Klamotten als Ausdruck gekonnter Nachlässigkeit und Kreativität ist längst zum Street Style avanciert, von den Klamotten bis zu den Haaren. Zudem wird seit einigen Jahren der „Undone-Look“ in Modemagazinen, und mittlerweile selbst auf Haargels, angepriesen. 

Blickt man auf frühe Aufnahmen aus den 1980er Jahren von Jean-Michel Basquiat, muss man schon etwas genauer hinsehen: Er vermischte nicht nur Figuren, Farben und Symbole aus verschiedenen Kontexten auf der Leinwand. Auch sein Stil war ein kuratierter Mix aus neuen, klassischen Designermarken und „No-Name“ Second Hand Klamotten, häufig im Oversize Look der 1980er-Jahre. Basquiat behandelte und trug Armani Anzüge, von denen er am Ende selbst einige besaß, mit derselben Wertschätzung und Nonchalance wie markenlose Klamotten oder ein ausgeleiertes Adidas T-shirt. 

Basquiat als Muße und Modeikone

1987 lief Basquiat für Comme des Garçons über den Laufsteg. Eine seiner ersten Ausstellungen fand im Laden von Patricia Field, der Modedesignerin für die Serie „Sex and the City“, statt. Von Field ausgestattet tanzte Sarah Jessica Parker in ihrer Rolle als Carrie Bradshaw mit rosa Tütü und Manolo Blahnik durch Downtown Manhattan. Beyoncé ging bei der Modedesignerin schon als Teenager einkaufen. Jean-Michel Basquiat aber behandelte Patricia Fields Klamotten wie Leinwände, bemalte Sweatshirts und Jumpsuits mit derselben Freude, wie er seine Anzüge bei der Arbeit mit Farbe bekleckste.

Jean-Michel Basquiat auf dem Laufsteg für Comme des Garçons, 1987, Image via: en.vogue.fr

Noch heute wird Basquiat als große Ikone und Muße zahlreicher Modedesigner zitiert. Kim Jones, Herrendesigner von Louis Vuitton, nannte ihn letztes Jahr neben Julian Schnabel und Andy Warhol als Inspiration für seine Herbst/Winterkollektion 2017. Armani gerät noch immer ins Schwärmen, wenn man ihn auf den großen Künstler anspricht. Längst sind auch weniger luxuriöse Marken wie Uniqlo, Reebok oder Supreme Kooperationen mit dem Basquiat Estate eingegangen und drucken mit Vorliebe Basquiats Krone oder Porträts des Künstlers auf T-shirts, Sneaker, Hoodies und Hemden.

Mode als Performance

Die Sorglosigkeit und Nonchalance, mit der Jean-Michel Basquiat sich selbst inszenierte, waren Teil einer Performance von Gegensätzen. Und Basquiat ließ diese nicht nur in seinen Werken aufeinander prallen, sie spiegelten sich auch in seiner Erscheinung und seinem Leben wider. In Gemälden inszenierte er sich und seine häufig schwarzen Idole als Heilige, als Könige mit Krone auf dem Kopf. Gleichzeitig war er im Alltag immer wieder mit Rassismus konfrontiert. So hatte Basquiat beispielsweise häufiger Probleme, ein Taxi anzuhalten.

Edo Bertoglio, Jean-Michel Basquiat wearing an American football helmet, 1981, Photo: © Edo Bertoglio, courtesy of Maripol, Artwork: © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York

Als sozialkritischer Künstler wie auch als Modeikone avancierte Basquiat zum Vorbild für zahlreiche afroamerikanische zeitgenössische Künstler. So erschien 2014 Jay-Z, einer seiner Fans und Sammler, zu Halloween als Basquiat verkleidet. In seinem Lied „Picasso Baby“ nahm der Rapper direkt Bezug auf den Künstler und sang „I’m the new Jean-Michel“. Mit diesem Wunschtraum ist er vermutlich nicht alleine. Bis heute gilt Basquiats (Lebens)stil vielen als Inbegriff perfektionierter Coolness und als ein Moment der Ermächtigung.

Jean-Michel Basquiat at Area, New York, 1984, Courtesy Jennifer Goode