06. August 2012

Kuratorin Katharina Dohm war ein Wochenende in Holland unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben – dafür aber George Condo und viel Kunst.

Von KATHARINA DOHM, KURATORIN

Ein Wochenende in Holland und das Meer nicht gesehen! Wie geht das denn? Als Nord-Rheinwestfälin liegt mir Holland natürlich nicht nur geografisch sehr viel näher als Bayern. Holland = Meer = Strand = Fahrrad = Ferien = Frikandel Spezial mit Fritjes. Später dann: Amsterdam, Venlo, Coffeeshop. Geografie gehörte lange nicht zu meinen Stärken, und so lernte ich erst in Frankfurt, dass wir hier am Main noch gar nicht richtig in Süddeutschland sind. Auf Fragen aus der Heimat, wie man es hier so findet und was man vermisst: „Spitze! Eigentlich nichts, nur das Meer ist so weit weg!“ Nicht nur um meine geografischen Lücken zu schließen, bin ich für die SCHIRN Kunsthalle unterwegs, und kürzlich ging es dann beruflich in die Niederlande um George Condo zu treffen, der nächstes Jahr in der SCHIRN zu sehen sein wird. Und auf dem Weg jede Menge Sehenswertes zu entdecken.

Anhand meiner Route hätte ich schon wissen müssen: kein Meer. Wahrscheinlich weiß jeder, dass Rotterdam eben nicht direkt am Meer liegt. Tilburg auch nicht und bei Amsterdam hat es mich nicht mehr überrascht. Überrascht hat mich aber das Museum De Pont in Tilburg (knapp 200.000 Einwohner, Nordbrabant). Benannt nach dem Juristen und Geschäftsmann Jan de Pont ging dessen Besitz nach seinem Tod 1987 in eine Stiftung für zeitgenössische Kunst über. Mit einer Gruppe von 20 Künstlern wurde das Museum 1992 in einer alten Wollfabrik eröffnet und seitdem wird dort weiterhin gesammelt.

Museum De Pont: Sigmar Polke, Hermes Trismegistos, 1995, Ausstellungsansicht

Die Liste von Künstlern ist mittlerweile beachtlich. In den großzügigen ehemaligen Werkhallen erhalten Arbeiten von Richard Serra, Dan Graham, Wolfgang Laib, James Turrell, Gerhard Richter, Richard Long, Bill Viola, Sigmar Polke etc. ausreichend Platz. Sowohl die Auswahl an Künstlern als auch die Präsentation lassen durchaus an DIA:Beacon erinnern. Neben den Klassikern erhalten neuere Positionen wie Angela Bulloch, Katharina Grosse, Anri Sala, Rineke Dijkstra, Anton Henning und Anish Kapoor ihren Platz.

Museum De Pont: Peter Buggenhout, 2011, Ausstellungsansicht

Neben der Sammlungspräsentation finden auch Wechselausstellungen statt. Beispielsweise eine große Installation von Peter Buggenhout, die zur „Lustwarande ´11“, der 4. Internationalen Skulpturenausstellung im Barockgarten „De Oude Warande“, gehört. Fern ab der Kunst erfahre ich zudem, dass der Park 1720 von Wilhelm III, Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel angelegt und nicht zu Ende geführt wurde, da er dann Gouverneur in Maastricht wurde.

Lustwarande 11, Sandra Kranich, Moment Monument, Firework 25.06.2011, Foto Liedeke Kruk

Rund 30 Künstler zeigen ihre Arbeiten im Park, darunter Jim Lambie, Anselm Reyle, Banks Violette, Venedig-Biennale Künstler wie Urs Fischer oder „Geheimgesellschaften-Mitglieder“ wie Aaron Curry und Huma Bhabha. Ganz besonders gefreut hat es mich, hier eine alte Bekannte zu treffen, mit der die Schirn dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feierte: Sandra Kranich hat dort trotz recht trüben und nassen Wetters die Ausstellung mit einem grandiosen Feuerwerk eröffnet.

Bjoern Dahlem, The Unknown, 2011, Ausstellungsansicht

Von Tilburg nach Rotterdam nach Amsterdam: alles liegt nur eine Stunde auseinander. In Rotterdam bleibt nicht viel Zeit, aber ein Besuch der George Condo-Ausstellung im Museum Boijmans van Beuningen, dessen Gemälde und Skulpturen kommendes Jahr in der Schirn zu sehen sein werden. Daher sei jetzt hier nicht vielmehr vorab verraten. In schönstem Sonnenschein dann in Amsterdam ab durch die Grachten direkt ins Stedelijk Museum. Nach jahrelanger Umbauphase zeigt das Museum nun seine bedeutende Sammlung zur Moderne und zeitgenössischen Kunst in der Ausstellung „Temporary Stedelijk 2“. Noch kurz ein Abstecher zur Galerie Fons Welters, wo Björn Dahlem „The Unknown“ ausstellt. Und dann geht’s auch wieder zurück nach Hessen. Zwar kein Tag am Meer, dafür sehr viel Kunst. Und in vier Stunden ist man in Amsterdam, von dort in einer Stunde in Tilburg oder Rotterdam – oder am Meer.