02. September 2015

Die Ausstellung "Künstler und Propheten" hat in Prag eröffnet, bereichert um eine Performance von Jonathan Meese. Katharina Dohm besuchte die Eröffnung.

Von KATHARINA DOHM, KURATORIN

„Hallo Mami, ich bin gerade in Prag …“ ertönt es schrill über 6 Etagen im gesamten Trade Fair Palace der Nationalgalerie Prag aus einer hölzernen Box. Anlässlich der Ausstellungseröffnung von „Künstler und Propheten“ in Prag telefonierte Jonathan Meese nicht nur mit seiner Mama, sondern nahm Kontakt zu den Propheten, seinen „Über-Daddys“ auf. '„You“ Living in the Erzbox: L.O.V.E. de LARGE (VISIONTELEFON)“' lautet der Titel der Installation direkt im Eingangsbereich des Trade Fair Palace, in dem sich die Sammlungen des 19. bis zum 21.Jahrhunderts der Nationalgalerie befinden. In insgesamt 6 Gebäuden im Prager Stadtraum sind die weiteren Sammlungen der Nationalgalerie untergebracht.

Das Telefonhauptquartier von Meese ist umgeben von Porträts der verehrten Propheten Diefenbach, Fidus, Gräser, Häusser und Muck Lamberty. Und alle rufen ihn im Laufe des Abends an. „Diefenbach you are the greatest!“ – „Fidus you are the greatest artist!“. Joseph Beuys Anruf hingegen verstimmt Meese: „Beuys you are a traitor!“ Denn die Kunst sei Distanzschaffungsmaschine – Ideologien haut ab, bitte! Nach einer Stunde hatte sich Meese gerade erst warm telefoniert und das Haus war sehr voll mit Besuchern, die sich von den Propheten in den Bann ziehen ließen.

Die Ausstellung wurde hier wie in Frankfurt von Pamela Kort kuratiert. Der Spirit der Ausstellung ist bewahrt und aufgrund der zusätzlichen Quadratmeter ist die Präsentation luftiger. Der Fries von Diefenbach konnte hier komplett gezeigt werden und auch der Raum über František Kupka zeigt zusätzliche Werke. Viele weitere Kupka-Entdeckungen kann man in der großen Sammlung machen, wie beispielsweise ein außergewöhnliches Pferdebild ("Ballade, Freuden des Lebens" von 1901). Erst seit kurzer Zeit steht die Nationalgalerie unter neuer Direktion und der Wandel, den das Haus nun erfährt, ist überall spürbar und sichtbar.

Zwischendurch noch ein kurzer Abstecher ins Rudolfinum, wo Installationen und Skulpturen von Roger Hiorns zu sehen sind. Motoren, Parkbänke und andere Objekte aus Industrie und Technik werden mit Feuer und nackten Jünglingen zusammengebracht – und irritieren so die Erwartungshaltungen der Besucher.

Abends endet der Tag auf dem historisch bedeutsamen Letna Hügel mit atemberaubendem Blick auf die sogenannte "Kleinseite" Prags. Nach einer zweistündigen Standleitung zu den Propheten kommt Jonathan Meese erschöpft zum Abendessen hinzu. Auf dem Rückweg zum Hotel geht es noch einmal am Trade Fair Palace vorbei, wo auf der Terrasse des Museumscafés immer noch viele junge Leute sitzen, reden, trinken und lachen.