06. August 2012

Museen in Washington und Minneapolis zeigen eine große Retrospektive zu Yves Klein. Ingrid Pfeiffer erinnert sich an die Yves-Klein-Schau in der SCHIRN.

Von INGRID PFEIFFER, KURATORIN

Eine große Retrospektive zu Yves Klein in den Vereinigten Staaten ist noch bis Februar 2011 im „Walker Art Center“ in Minneapolis zu sehen. Von Mai bis September wurde sie im „Hirshhorn Museum“ in Washington, DC gezeigt. Es ist die erste größere amerikanische Ausstellung zu Yves Klein seit 30 Jahren und heißt „With the Void: Full Powers“.

Hängung von Yves Kleins mehrfarbigen Monochromen in der Ausstellung „Yves Klein Retrospektive“, SCHIRN, 2004.

Bereits als ich in der SCHIRN im Jahr 2004 eine Yves Klein-Retrospektive gezeigt und dafür zwei Jahre lang eng mit der Familie von Yves Klein in Paris zusammengearbeitet habe, war von der Planung einer amerikanischen Ausstellung die Rede. Aber es hat sehr lange gedauert, bis sich zwei große amerikanische Institutionen zusammengefunden und das Projekt realisiert haben.

ANTHROPOMETRIEN UND KOSMOLOGIEN
So wie in der SCHIRN ist auch die Ausstellung in Washington und Minneapolis eine große Retrospektive: Wie vor sechs Jahren in Frankfurt zeigt sie alle Werkgruppen, von den blauen Monochromen bis zu den Anthropometrien, von Feuerbildern und goldenen Tafeln bis hin zu den sogenannten Kosmogonien und konzeptuellen Arbeiten. Yves Klein ist ein Künstler, der weitaus mehr hinterlassen hat als nur blaue Bilder, und diese eher unbekannten Seiten zu entdecken war ein tiefgreifendes Erlebnis für mich.

Yves Kleins mehrfarbige Monochrome in der Ausstellung „Yves Klein: With the Void, Full Powers“, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, 2010.

In Frankfurt hatten wir erstmals mit der Kombination von blauen Schwammreliefs im Hintergrund und Schwammskulpturen im Vordergrund experimentiert. Wir wollten sie ohne Plexiglashauben und schützende verglaste Rahmen präsentieren, um ihre Aura zu erhalten. Deshalb kam es zur Anordnung der Werke auf weißen Podesten vor weißen Wänden – es entstand eine Art „Unterwasserlandschaft“, die die Arbeiten optisch ins Schweben brachten.

Viele sahen darin einen der schönsten Räume der Ausstellung. Auch die „installative“ Präsentation der bunten Monochrome, die nicht nur neben- sondern auch übereinander auf der Wand platziert wurden, ist in Frankfurt erstmals ausprobiert worden. Überrascht war ich von Fotos der Ausstellung in Washington, wie sie kürzlich in der Zeitschrift „Artforum“ abgebildet waren – sie erinnern an die Ausstellung in der SCHIRN. Es ist schön zu sehen, dass unsere Idee überzeugend genug war, um von den Kollegen in den USA aufgegriffen zu werden.