11. Dezember 2015

Esther Schlicht besucht die Eröffnung der Künstlerin Rosa Barba im Albertinum in Dresden und erlebt eine Ausstellung von universeller Qualität.

Von Esther Schlicht

„14 Museen mit Werken aus allen Kontinenten: Ein großes Haus voller Ausländer!“ - so werben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der Fußzeile der Einladung ihrer jüngsten Ausstellung im Albertinum: „Rosa Barba. Spaces for species (and pieces)“. Folgt man der Einladung, stößt man vor Ort immer wieder auf ähnlich gelagerte Aufrufe zum Kosmopolitismus. Es wird deutlich, wie sehr die Dresdner Kulturinstitutionen in einem ganz eigenen Kulturkampf befangen sind, dessen Ausgang wohl noch immer nicht absehbar ist.

Schaudepot des Albertinum

Da ist es wichtig, dass gerade hier überregional wirksame Kunstereignisse stattfinden wie diese Ausstellung der international tätigen Künstlerin Rosa Barba. Die 1972 in Sizilien geborene Barba wuchs in Deutschland auf, studierte in Köln sowie Amsterdam und lebt seit Jahren in Berlin. Trotzdem ist sie in Deutschland fast weniger bekannt als etwa in Italien, England oder USA, wo ihr Werk in den letzten Jahren in zahlreichen wichtigen Einzelausstellungen und renommierten Gruppenausstellungen (zuletzt auf der diesjährigen Biennale von Venedig) zu sehen war. 

Unzugängliche Archive filmisch in Szene gesetzt 

In „Spaces for Species (and pieces)“ zeigt Rosa Barba nun ausgewählte Arbeiten der letzten fünf Jahre: Filme, Objekte und skulpturale Installationen, die sich auf feinsinnige Weise verschränken und ineinander spielen. Im Zentrum der Präsentation steht die Filmtrilogie „The Hidden Conference“ aus den Jahren 2010-2015. Dafür hat Barba in den Depots mehrerer großer europäischer Museen gedreht und dabei Skulpturen und Gemälde aus deren unzugänglichen Archiven filmisch in Szene gesetzt. Die gleichsam anonymen Kunstwerke gehen in dieser „geheimen Konferenz“ über Epochen, Herkunft und Stile hinweg unvermutete Beziehungen ein und entwickeln dabei eine eigenwillige Präsenz.

Rosa Barba, Spaces for species (and pieces), Albertinum, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Oliver Killig

Ob als „imaginäres Museum“, als Reflexion über das kulturelle Gedächtnis oder als Kommentar zur Didaktik gängiger Ausstellungspraxis: Die von Textfragmenten und elektronischem Sound durchwobene Filmprojektion fügt sich in Dresden auf besondere Weise auch in den musealen Kontext der lokalen Dauerausstellung ein. Wie als Erweiterung von „The Hidden Conference“ blickt man nun in die großen gläsernen Schaudepots der Skulpturensammlung, mit denen das Albertinum seit der Wiedereröffnung 2010 zuvor unzugängliche Bereiche seiner Sammlung ans Licht holt.

Ein Ballett gigantischer Ölpumpen

Die Dresdener Ausstellung zeigt aber auch andere Arbeiten Rosa Barbas, wie die auf 16mm gedrehten Filme The Empirical Effect (2009) oder Somnium (2011), die ausgehend von historischen Dokumenten surreale, sciencefictionartige Szenarien entfalten. Oder die in der texanischen Wüste entstandene Filminstallation Time as Perspective (2012), ein Ballett gigantischer Ölpumpen, das ähnlich zwischen dokumentarischem Befund und fantastischer Vision changiert. Zu sehen sind zudem auch skulpturale Installationen und Objekte, in denen Film vielmehr als Material oder Metapher eine Rolle spielt. Zelluloid, Licht, Farbe sind die Grundelemente dieser Arbeiten – und Text. In Spacelenght Thought (2012) oder The Long Poem (2014) etwa schreiben sich einzelne Lettern buchstäblich in den Filmstreifen ein, während in Arbeiten wie The Personal Experience (2009) oder Sea Sick Passenger (2014) Filzflächen zum Träger darin ausgestanzter Schrift werden.

Rosa Barba, Spaces for species (and pieces), Albertinum, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Oliver Killig
Rosa Barba, Spaces for species (and pieces), Albertinum, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Oliver Killig

Ein weiteres wesentliches Element von Barbas Arbeiten ist Sound, den der experimentelle Musiker Jan St. Werner (Mouse on Mars) eigens für sie komponiert. Und so fügt sich auch die an die Eröffnung anschließende Party, bei der Werner im historischen Lipsiusbau die Musik bestimmt, nahtlos in die wohldurchdachte Choreografie der Gesamtpräsentation ein und beschließt einen Dresdner Kunstabend von universeller Qualität. 

Beim Verlassen des avantgardistischen Ambientes mutet es dann umso sonderbarer an, in der nächtlichen Stadt durch verwaiste Weihnachtsmarktbuden zu laufen und daran erinnert zu werden, mit welch besonderer Intensität hier eben auch die lokale Kultur zelebriert wird.

Die Eröffnungsparty im Lipsiusbau