20. April 2011

Drei große Ausstellungen, darunter „Zelluloid“, wurden jüngst dem bewegten Bild gewidmet. Doch Retrospektiven einzelner Experimentalfilmer in Deutschland stehen noch aus.

Von ESTHER SCHLICHT, AUSSTELLUNGSLEITERIN

Nicht nur in der SCHIRN, wo bis Ende August „Zelluloid. Film ohne Kamera“ lief, ist ein Sommer der Filmausstellungen zu Ende gegangen. Im Karlsruher ZKM wird gerade „Fast Forward 2“, eine Präsentation von Film- und Medienkunstarbeiten aus der Münchner Sammlung Goetz abgebaut und im Museum Ludwig in Köln läuft noch bis Ende Oktober „Bilder in Bewegung. Künstler und Film/Video“ – ein Einblick in die bedeutende Film- und Videosammlung des Museums.

Drei Ausstellungsprojekte ganz unterschiedlicher Art, die allesamt davon zeugen, wie selbstverständlich das bewegte Bild in Museen und Kunsthallen heute geworden ist.

Wenngleich seit einigen Jahren – nicht nur im Rahmen von Ausstellungen – das Verhältnis von Film und bildender Kunst intensiv diskutiert wird, scheint sich aber doch eine merkwürdige Kluft zwischen dem zeitgenössischen Künstlerfilm und dem filmischen Erbe des Experimental- oder Avantgardefilms aufzutun, welches mehr denn je aus dem Blickfeld der Institutionen gerät.

Klassisch-experimentelle Positionen befragen
Das hat sich nicht zuletzt durch die Vorbereitungen zu „Zelluloid“ wieder erwiesen. Anders als in Karlsruhe oder Köln, wo Werke vorgestellt wurden, die unzweifelhaft der Sphäre der bildenden Kunst zugehören, haben wir in unserer Ausstellung Filme von zeitgenössischen Künstlern mit historischen Positionen des Experimentalfilms zusammengeführt. Dabei hat sich bestätigt, wie hermetisch und scheinbar inkompatibel die Welten der Kunst und des Experimentalfilms eigentlich sind.

Zu Unrecht, wie ich finde. Denn sollte es nicht Aufgabe von Kunstmuseen und Ausstellungshäusern sein, ein breiteres Publikum auch an die Geschichte der filmischen Avantgarde heranzuführen – wie dies einige wenige Institutionen seit Jahren schon tun? Nicht nur stehen viele dieser radikalen filmischen Experimente in unmittelbarer Beziehung zur bildenden Kunst. Auch fragt man sich, wer sonst, da Programmkinos dies offenbar nicht mehr zu leisten vermögen, die klassischen experimentellen Positionen weiter befragen soll?

Beispiele in diese Richtung waren in jüngerer Zeit etwa Retrospektiven zu Len Lye im Centre Pompidou oder zu Kenneth Anger im New Yorker PS1. Gerade in Deutschland aber fristet der Experimentalfilm ein randständiges Dasein – derartige Ausstellungsprojekte stehen noch aus.