23. August 2017

Sie lässt Songwriting zu experimentellem Pop avancieren und reizt die traditionellen Genres aus: Sophia Kennedy im Interview und am 30. August live bei SCHIRN SUMMER HANGOUTS.

Von Teresa Köster

“Being lonely makes you special/But being special makes you lonely too”, singt Sophia Kennedy in ihrem gleichnamigen Song „Being Special“ und man wundert sich, ob damit wohl sie gemeint ist? Einprägsam ist die Musik der Wahl-Hamburgerin in jedem Fall: Mit einer Leichtigkeit, mit warmer, aber nie gänzlich glatter Stimme singt Sophia Kennedy ihre Zirkelschlüsse und Metaphern; Texte, die vermeintlich einfach sind und dann doch Bilder hervorbringen, die sich im Kopf selbstständig weiterentwickeln. Ihr Sound: das dazugehörige Äquivalent, das vieles will, nur nicht belanglos sein. Bevor Sophia Kennedy am 30. August bei SCHIRN SUMMER HANGOUTS ihr self-titled Debütalbum live spielen wird, stellt sie das SCHIRN MAG im Interview vor:

Über dein gleichnamiges Album hast du den viel zitierten Satz gesagt: „Ich will das Traditionelle an die Grenze bringen, an der es extrem wird […]. Man darf einfach keine Angst haben, dass Pop daraus wird“ – was passiert an und hinter dieser Grenze, mit deiner Musik, mit dir, mit dem Zuhörer?

Für mich ist es wichtig, dass die Musik fresh und aufregend ist und sich auch genau so anfühlt, obwohl natürlich vieles in meiner Musik steckt, was man schon kennt oder einem musikalisch vertraut vorkommt. Mir geht es darum, sich von den Regeln und überholten Gesetzen, wie ein Popsong zu funktionieren hat, zu verabschieden. Warum sollte ich im Jahr 2017 eine Platte mit einer klassisch besetzten Retro-Band aufnehmen und meine schnöden Lieder trällern?! Ich will ja nicht zeigen, dass ich früher in der Schulband gesungen habe und jetzt on the Road bin – darum geht es mir nicht. Wenn ich einen Werbesong machen will, dann tue ich das und wenn ich einen Popsong machen will und die Vision habe, dass es hier und da knallt und die Struktur des Stücks einfach auseinandergerissen wird, dann mache ich auch das einfach. Gleichzeitig möchte ich, dass meine Musik die Spannung hält, mit der Außenwelt kommunizieren kann und nicht komplett sperrig ist. Ich habe ja keine Noise-Platte gemacht oder drei Stunden auf eine Blechtrommel gehauen. Zugänglichkeit ist mir wichtig, aber für mich gibt es nichts Schlimmeres als harmlose Belanglosigkeit in der Musik.

Sophia Kennedy, Photo Rosanna Graf

Deine kreativen Wurzeln liegen ursprünglich ja woanders: Du hast Film an der HFBK in Hamburg studiert und nach einer ersten Single mit Erobique erst einmal vor allem für das Theater Musik geschrieben – bis in diesem Jahr dein Debütalbum bei Pampa Records erschien und damit bei dem Label „die erste Songwriting-Platte“. Was bedeutet dir deine Musik, auch im Kontext deiner weiteren Arbeit?

Man muss sich ganz schön behaupten und natürlich ist es manchmal schon eine große Herausforderung, weil ich auch von etwas leben muss und das nicht immer so einfach ist. Andererseits genieße ich die Freiheit, das machen zu können, was ich will. Das ist ein Privileg und bedeutet mir viel.

Musik zu komponieren ist das eine, die dazugehörigen Lyrics zu schreiben, das andere. Und in beiden Fällen scheinst du dich nicht festzulegen: auf keinen Stil, aber ebenso wenig auf einen durchgängigen Adressaten, wie es sonst durchaus üblich ist. Wie entstehen deine Texte?

Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, die mit einem Notizbuch, Stift und Rotwein auf dem Dachboden sitzen, schreiben und rauchen. Ich komme auf unterschiedliche Weise zu meinen Texten – mal indem ich einfach laut vor mich hin singe und mir dann die guten Geistesblitze merke. Manchmal schreibe ich aber auch einen Songtitel auf, obwohl es den Song noch gar nicht gibt. Was sehr lustig und inspirierend sein kann. In beiden Fällen entwickeln sich bei mir Text und Musik meistens gemeinsam – es passiert selten, dass ein Text fertig ist, ohne dass die Musik vorher da war. Das führt manchmal dazu, dass viele Textzeilen eher wie Fragmente wirken und keine konkrete Handlung oder Personen angesprochen werden. Oder vielleicht doch? Ich weiß es nicht so genau. Ich überprüfe Texte eigentlich nur auf Peinlichkeitsgrad, Coolness und Schönheit. 

Und der Film sowie Theateraspekt – arbeitest du aktuell an Arbeiten in diesen Bereichen?

Ich habe auf jeden Fall Ideen und Pläne für neue Stücke und freue mich auf ein zweites Album. Im Herbst werde ich vermutlich auch Musik für das Theater in Leipzig machen.

Sophia Kennedy, Photo Rosanna Graf

Wenn du nicht gerade selbst die Urheberin der Musik bist, was hörst du dann aktuell?

Im Moment hatte ich noch nicht die Ruhe, mir aufregende Musik anzuhören, deshalb bin ich gerade nicht so auf dem neuesten Stand. Gerade höre ich viel Country-Musik oder ganz altes Zeug wie Burl Ives. Er hat irgendwie auch etwas Abstoßendes und ich fürchte mich etwas vor seiner Stimme. Gleichzeitig amüsiert es mich mir. Und mir gefällt das Rauschen der alten Aufnahmen. Aber auch das neue Stück „Malibu“ von Miley Cyrus finde ich großartig.

Schirn Summer Hangouts, Photo Schirn Kunsthalle Frankfurt

Was ja auch zur Musik gehört: der Auftritt auf der Bühne. Zum Beispiel am 30.08. bei den Summer Hangouts in der SCHIRN. Was war für dich dein bisher bester oder auch schrägster Bühnenmoment?

Ehrlich gesagt hatte ich für mich noch nicht den geilsten Moment auf der Bühne. Vielleicht ist es dafür noch zu früh. Meine Musik muss den Leuten noch näher gebracht werden; ich muss mein Publikum auch noch besser kennenlernen. Dann kann sicherlich alles passieren, ich lasse mir aber die Zeit das alles zu entwickeln. Einer der härteren Momente auf der Bühne bisher: Ich habe mal auf einer Weinmesse gespielt, vor 500 besoffenen Leuten, die gar keinen Bock auf ein Konzert hatten und mich wie ein Alien angegafft haben. Von einer Männergruppe wurde ich dort ausgebuht, eine Frau fragte nach dem DJ – ich habe ihr dann mein Wasser ins Gesicht geschüttet.

Schirn Summer Hangouts, Photo Schirn Kunsthalle Frankfurt

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