31. August 2017

Der Frankfurter Musiker Casey Keth hat ein unglaubliches musikalisches Bezugssystem und spielt gerne auf Augenhöhe mit seinem Publikum. Am 6. September live zu erleben bei den SCHIRN SUMMER HANGOUTS.

Von Teresa Köster

Es gibt Musiker, die scharen eine ganze Band um sich, sind im positiven Sinne musikalische Herdentiere. Und es gibt solche, die brauchen nicht viel mehr als sich selbst und ein Mikrofon, vielleicht noch ein Instrument. Deren Spiel unmittelbar die Nähe zum Publikum sucht, mit Text, Ton und Auftritt direkt auf die Menschen zugeht. 

Der Frankfurter Singer-Songwriter Casey Keth gehört zweifellos in diese zweite Kategorie. Seine Stimme, eine Gitarre, das war’s. Und doch erwartet seine Zuhörer mehr, denn: Ursprünglich im HipHop, Soul und der elektromischen Musik beheimatet, zog es Casey Keth irgendwann ans Klavier und die Akustik-Gitarre. Das Ergebnis: ein einprägsamer, eklektischer Sound, über den – und noch mehr – der Musiker im Interview berichtet:

Casey – du bist Frankfurter und Musiker, der seine Bühnen allein mit seiner Stimme und einer Gitarre füllt, der mit „Aretha, Jeff Buckley, J'Dilla, Chris Whitley, E.S.T., Radio, MTV“ eine ziemliche Bandbreite als musikalische Einflüsse einbringt. Wie beschreibst du selbst die Musik, die dabei entsteht? 

Arethas Power, Buckleys introvertierte, experimentierfreudige Expressivität, Dillas mitreißendes „Bumm! Clack!“, Whitleys stampfender, fast mystischer Wüsten-Blues, E.S.T.s cineastisch-dunkle, fast un-jazzige Zwischenwelten, die Unbeschwertheit von Autoradio-Pop – wenn man so will, sind das alles Abschnitte meiner persönlichen musikalischen Findung; Gefühlswelten, die mittlerweile Teil meiner musikalischen Knochen sind. 

„And love’s a point of view...“, heißt es auf deiner Website. Alles fühle sich nach Musik an oder sei sogar Musik, alles habe einen eigenen Soundtrack, der immer im Hintergrund laufe und von uns gehört werde. Hierin suchst du, die Perspektive zu finden, die Dinge wieder magisch werden lässt; eine, die sich auch aus der zwischenmenschlichen Begegnung speist. Erzähl uns bitte mehr darüber, welche Bedeutung Musik für dich hat, aber auch in welcher Rolle du sie in unserer Welt siehst? 

Für mich ist sie wie ein privater, sicherer Raum, in dem man die ganze Bandbreite seiner Gefühle kennenlernen kann! Das lässt man sonst nirgendwo so bereitwillig zu und genau darin sehe ich ihre Rolle. Sie macht mich vollständig, weil ich in ihr alles sein kann. Aber zu viel über Musik zu reden, ist, sie zu verkomplizieren – wie das Gefühl, zu lieben, zu Tode zu analysieren: Wenn Du damit fertig bist, ist Deine Liebste längst vom Tisch aufgestanden und alle Blumen sind verwelkt. Musik muss erlebt werden.

Casey Keth, Foto Holger Menzel

Apropos Musik und die Art und Weise, wie sie in Beziehung zu den Menschen tritt: In welchem Setting spielst du am liebsten? Welches Gefühl, welche Erfahrung möchtest du bei deinen Zuhörern evozieren, wenn sie deine Musik (live) hören? 

Jedes Setting hat etwas für sich. Früher waren es eher kleinere Settings und sie sind es in gewisser Weise immer noch. Ich mag die Nähe; alles ist auf Augenhöhe, keine erhöhte Bühne, keine Spots und das besondere Gefühl kommt fast von selbst. Größere Settings sind mächtige Erfahrungen, wenn es klickt, wenn ich das Publikum erreiche und dieses „We’re all one good people in a fuckin crazy world“-Gefühl aufkommt. Und das ist vielleicht auch das, was ich mit meinen Zuhörern erleben möchte. 

Am 6. September wirst du für die Frankfurter bei den SCHIRN SUMMER HANGOUTS ein Konzert spielen. In der Kunsthalle ist die Gruppenausstellung PEACE zu sehen – ein Titel, der gerade aktuell wieder zur Grundsatzfrage wird: Was bedeutet für dich Frieden? 

CK: Frieden ... vielleicht, wenn man im Tiefsten seines Herzen weiß, dass alles, was zu einem gehört, gut ist und man so genügend Raum & Respekt für sich selbst hat. Daraus folgt, dass man dasselbe für sein Gegenüber empfinden und selbst weniger verunsichert werden kann. Das kann keine schlechte Grundlage sein. Frieden im Großen begänne so im Einzelnen.

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