07. März 2018

Drei Schwestern – ein Soundsystem. Ihre Musik: Ein Mix aus Afrobeat und Dancehall. Das SCHIRN MAG hat mit Tchari Squad über ihre schrägsten Erinnerungen und Verbindung zu Jean-Michel Basquiat gesprochen.

Von Teresa Köster

Gemeinsam bringen Eva, Nadia und Nora am 8. März Afrobeat und Dancehall in den CROWN CLUB und unterlaufen leichtfüßig die gängigen Stereotypen des Genres wie auch Erwartungen – hinter dem DJ-Pult, am Mikrofon und auf der Bühne, wenn sie die Tanzbarkeit ihrer Tracks unter Beweis stellen. Das SCHIRN MAG stellt den „super female squad with a vision“, wie sich die Schwestern beschreiben, im Interview vor.

Wie kam es von der familiären Verbundenheit zur musikalischen Zusammenarbeit?

Tchari Squad ist eigentlich aus einer Schnapsidee entstanden. Wir gehen gerne zusammen feiern und haben irgendwann festgestellt, dass es kaum weibliche DJs gibt, vor allem nicht im Bereich Afro oder Dancehall. Daraufhin haben wir uns tatsächlich einfach das nötige Equipment besorgt und angefangen, zu üben. Das war Ende 2016.

Mit Erfolg. Allein in 2017 könnt ihr auf einige Aufmerksamkeit zurückblicken, von der andere Musiker und DJs lange träumen: Ihr seid beim Afropunk Paris neben Größen wie Yasiin Bey und Macy Gray aufgetreten, durch die französischen Clubs getourt und habt gemeinsam mit Patrice unter anderem beim Rock am Ring gespielt. Was steht 2018 an?

2017 war wirklich aufregend! Jetzt wollen wir natürlich erst richtig loslegen. Wir produzieren gerade zusammen mit Patrice die ersten eigenen Tchari-Squad-Songs und arbeiten an unserer Live-Show. Es wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr! Die ersten interessanten Kollaborationen kündigen sich auch schon an.

(c) Tchari Squad

Was von 2017 außerdem bleibt ... eure schönste oder auch schrägste Tchari-Squad-Erinnerung an das vergangene Jahr?

Eine der schönsten Erinnerungen ist auf jeden Fall unsere Show beim Deichbrand Festival. Dort gab es diese riesige Hirschfigur, in der es einen kleinen Club gibt, mit Aussicht auf das Festival. Die Stimmung war unglaublich und wir wollten gar nicht mehr aufhören. Es war cool zu sehen, dass auf einem Festival, auf dem eher Rock und Hip Hop stattfindet, die Leute so sehr auf unseren Afrobeat-Sound abgehen! Schräg war der Moment, als wir den Controller im Musik-Store gekauft haben. Dort haben wir unsere ersten zwei Booking-Anfragen bekommen, nur weil wir mit dem Ding unter dem Arm unterwegs waren. Solche Momente machen einem dann aber auch nochmal klar, wie wichtig es ist, auch technisch gut zu werden – und nicht nur nett auszusehen und auf „play“ zu drücken. Wir meinen das schließlich ernst und arbeiten ständig an unseren Skills.

2018 bringt euch unter anderem auf die Bühne der SCHIRN, genauer gesagt des CROWN CLUB – einer temporären Hommage an den legendären New Yorker Mudd Club sowie die Kreativszene der 70er und 80er Jahre. Worauf dürfen sich die Besucher am 8. März freuen?

Unsere Shows sind immer sehr unterschiedlich. Wir machen das gerne vom Vibe abhängig. Aber in jedem Fall wird es ein energiereiches Set mit diversen Performances geben. Mit ganz viel Afrobeat natürlich!

Dafür sind eure Auftritte mittlerweile bekannt: sie sind gleichermaßen DJ-Set, Performance, begleitet hin und wieder von Noraas Live-Gesang. Ein Ineinandergreifen wie man es auch im Mudd Club fand, der in Lower Manhattan ein Schmelztiegel der Künste und Disziplinen war. Inwiefern beeinflussen Euch heute noch solche Orte und vor allem der künstlerisch-musikalische Output, der dabei entstand?

Obwohl wir natürlich nur aus Erzählungen wissen, wie es damals im Mudd Club zuging, sind wir uns einig, dass wir dort gerne selber dabei gewesen wären. Zu sehen, wie ein Ort ein gesamtes Genre prägen kann, ist unglaublich. Die Verbindung aus Musik, Tanz und Mode ist an solchen Orten ganz natürlich und ohne Zwang erstanden. Es war einfach logisch. Wir würden uns wünschen, dass solche Clubs in Zukunft ein Comeback erleben. Die von Patrice ins Leben gerufene Eventreihe “SuSu” ist da schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung. Dort haben wir erst letzten Monat in Köln aufgelegt. Das Konzept beinhaltet eben genau diese Fusion der verschiedensten Künste. Man merkt, dass die Leute – genauso wie wir – wirklich Lust auf solche Veranstaltungen haben.

Fassade des ehemaligen New Yorker Mudd Club (c) Foto: Natalie Wichmann

Auch Basquiats Kunst lebte von dem Zusammengreifen diverser Genres, Medien, Materialien. In dem Zusammenhang noch einmal das Stichwort: Afrobeat. Als "Kombination aus Jazz und Funk mit westafrikanischer Tanzmusik und der Folklore des Yoruba-Volkes" ist Afrobeat selbst das Ergebnis unterschiedlichster Einflüsse. Welche Kraft hat für euch das künstlerische Experiment, die Kooperation – mit Menschen, aber auch zwischen Stilen?

Wie gesagt, Diversity ist das Schlagwort bei uns. Wir werden von den unterschiedlichsten Dingen inspiriert und verfolgen alle drei neben unserem gemeinsamen Projekt eine eigene Karriere. Dadurch ist unser Output zwangsläufig schwierig, in eine Box zu stecken. Wir leben in unterschiedlichen Städten (Köln und Paris) und lernen dadurch Künstler aus den verschiedensten Szenen kennen. Wir sehen das auf jeden Fall als eine Bereicherung an und gerade durch all diese verschiedenen Einflüsse wurde Tchari Squad erst zu dem, was es heute ist.

(c) Tchari Squad

Apropos eigene Karrieren: Nora(a), du singst neben eurem DJ-Squad ebenfalls solo, zuletzt u.a. als Support Act von Patrice, und giltst als französischer upcoming Star – möchtest du dich musikalisch nicht festlegen und finden sich hier zwei Seiten deiner Persönlichkeit als Musikerin?

Nora: Mein Soloprojekt ist mein “Baby”. Es besteht zu 100 Prozent aus mir und all meinen Facetten, da ich selber komponiere und schreibe. Wenn ich als “Noraa” auf der Bühne stehe, bin ich in meinem Nerd-Modus; gleichzeitig singe ich, spiele Gitarre, bediene einen Looper und ein Drumpad. Mit “Tchari Squad” kann ich abschalten. Es ist ja beinahe so, als würden wir, wie sonst auch, einfach zusammen ausgehen. Nur dass wir dabei auf der Bühne stehen und neben dem Auflegen noch performen – als Schwestern! Letztendlich sind beide Projekte natürlich komplett unterschiedlich, aber beide ein Teil von mir und meiner Persönlichkeit.

Wovon lässt du dich inspirieren, solo wie auch in der Gruppe?

Nora: Ich lasse mich vor allem durchs Reisen inspirieren. Ich muss in Bewegung bleiben, um inspiriert zu werden.

(c) Tchari Squad

Nadia und Eva, wo findet ihr neuen Input, Anregungen und Ideen?

Nadia: Ich lasse mich hauptsächlich von Menschen inspirieren, die sich, genau wie ich, vor allem mit Mode und Kunst ausdrücken. Dabei schöpfe ich die meisten Ideen aus den 70er und 80er Jahren, die Zeit, in der die Vogueing-Bewegung ihre Anfänge fand.

Eva: Mich hat Musik an sich inspiriert. Die Arbeit an unserem Projekt hat viele neue Denkanstöße mit sich gebracht, die mich und meine Kreativität beeinflussen. Ich habe dadurch ein ganz neues Freiheitsgefühl gewonnen.

Danke für das Interview.