21. Februar 2018

Wer Modeblog sagt, muss auch „Dandy Diary“ sagen: Das Schirn Mag sprach mit den Berlinern Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth über Jean-Michel Basquiat und das New Yorker Nachtleben der späten 1970er Jahre.

Von Julia Schmitz

In wenigen Worten: Was assoziiert ihr spontan mit Jean-Michel Basquiat? 

Den ersten afro-amerikanischen Künstler, der den Durchbruch in der von Weißen dominierten Kunstwelt schaffte. Copy-Paste. Kunst-Kritzeleien. Wilde Frisuren. Andy Warhol. Und einen viel zu frühen Tod.  

Was glaubt ihr, welche Bedeutung haben seine Werke für den heutigen Besucher? Was können sie denjenigen sagen, die noch nie etwas von Basquiat gehört haben?  

Offensichtlich eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, denn in London, wo die „Basquiat. Boom for Real“ Ausstellung schon präsentiert wurde, brach sie Besucherrekorde. Wie überall, sieht wahrscheinlich jeder etwas anderes in seinen Werken und bewertet sie anders. Kinder werden sich bestimmt an den großflächigen, bunten, scheinbar naiven Kritzeleien von Flugzeugen und Robotern erfreuen. Kenner dürfen sich in der Interpretation der Werke versuchen, die voll sind von popkulturellen Zitaten. Neben der Kunst finden wir besonders spannend: die geniale Selbstinszenierung von Jean-Michel Basquiat.  

Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2018, Foto: Norbert Miguletz © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York

Welche Rolle spielt zeitgenössische Kunst für eure Arbeit?  

Wir sind keine Künstler, sondern einfache, hart arbeitende Fashion Blogger. Doch privat besuchen wir regelmäßig Ausstellungen und erfreuen uns an der Bandbreite der zeitgenössischen Kunst. Der große Vorteil der Kunst im Gegensatz zur Mode: Man muss sie nicht tragen, der Spielraum ist scheinbar unbegrenzt, das ist erfrischend. Aktuell lieben wir besonders die Arbeiten von den Ladies der Art World: Candice Breitz, Alexandra Bircken, Camille Henrot, Eliza Douglas und Anna Uddenberg.  

Ihr organisiert Partys im Rahmen verschiedener Fashion Weeks, habt vor zwei Jahren für kurze Zeit im Dandy Diner in Berlin-Neukölln Burger gebraten und schreibt nicht zuletzt den wohl bekanntesten Männermode-Blog. Wie schafft ihr das alles? 

Schichtarbeit. Wenn Jakob schläft, arbeitet David. Wenn Jakob arbeitet, schläft David. Und immer, rund um die Uhr, rackert eine vom Dandy Diary Welterfolg beflügelte Horde Praktikanten für uns, ohne die all das natürlich nicht zu leisten wäre.  

Foto: Dandy Diner, Eyecandy Studio

Was habt ihr als nächstes geplant?  

Inspiriert von unseren Daddy’s werden wir einen Sneaker entwerfen. Und gemeinsam mit dem Berliner Galeristen Johann König werden wir einen Thai-Massage-Salon eröffnen. 

Ihr eröffnet am 22. Februar den CROWN CLUB in Anlehnung an den legendären Mudd Club in New York, in dem Basquiat in den 70er- und 80er-Jahren seine Nächte verbrachte. Wie stellt ihr euch eine Party im Mudd Club vor?  

Links, in der Ecke, auf dem Boden lümmelnd, mit blauem Auge vom Ex-Freund: die Fotografin Nan Goldin im Deep Talk mit Keith Haring und auf der Unisex-Toilette sich liebende Paare. Ganz oben, im 4. Stockwerk, in der Galerie, die erste Fashion Show von Calvin Klein, davor, staunend, ein weiß geschminkter Klaus Nomi.  

Worauf können sich die Besucher der Eröffnung des CROWN CLUBS gefasst machen?  

Auf eine knallharte Live-Performance von JOEY BARGELD. Einem Mann, der in die Musikgeschichte eingehen wird. Sowie treibende DJ Sets von DJ Stoff, Olive Duran und der IGNAZ Crew. Und natürlich auf uns. Sowie die ewig schöne Unberechenbarkeit des Nachtlebens.  

Joey Bargeld, credit www.kitschkrieg.de

DIGITORIAL ZUR AUSSTELLUNG

Das kosten­lose Digi­to­rial bietet span­nende Einbli­cke und Hinter­grund­in­for­ma­tio­nen zur Ausstel­lung „Basquiat. Boom for Real“. 

Für Smart­phone, Tablet und Desk­top