09. März 2018

Mark Noonan porträtiert in seinem Dokumentarfilm den renommierten Architekten Kevin Roche. Eindrucksvolle Museumsgebäude zählen zu seinen herausragenden Bauwerken.

Von Jens Balkenborg

So Kevin Roche in Mark Noonans Dokumentarfilm „Kevin Roche - Der stille Architekt“. Das klingt wie eine dieser leeren Phrasen, mit der pseudo-idealistische Vorstellungen verkauft werden. Nicht aber aus dem Mund des amerikanisch-irischen Architekten, der zeitlebens für eine humanistische Architektur stand und nach wie vor steht.

Für mich liegt es in der Verantwortung des modernen Architekten, ein Gemeinwesen zu erschaffen für eine demokratische Gesellschaft.

Der irische Regisseur Mark Noonan ergründet Leben und Werk des Architekten in konventionellem Dokumentarfilmmodus. Neben historischen Aufnahmen lässt er Kollegen und Wegbegleiter zu Wort kommen, die, wie man das aus vielen anderen Dokumentationen kennt, in beweihräucherndem Ton schwärmen und damit ein kaum kritisches Bild des Porträtierten zeichnen. Wirklich widersprechen möchte man ihnen aber nicht, da der mittlerweile 95-jährige, immer noch rüstige Roche seine Ideale beherzigt und einfach sehr charmant herüberkommt. Der bescheidene Mann scheint das Gegenteil von Architekturpopstar Bjarke Ingels der gleichnamigen Architektengruppe BIG (Bjarke Ingels Group) zu sein, dem der Dokumentarfilm „Big Time“ erst kürzlich ordentlich den Bauch pinselte.

In einer fantastisch gefilmten, kontemplativen Werkschau hangelt sich Noonans Film von Bauwerk zu Bauwerk und gibt einen nicht immer tiefgründigen, aber doch breit gefächerten Überblick über Roches Schaffen. Seine Architektur ist für die Allgemeinheit, der Mensch seine zentrale Konzeptionsgrundlage. Da ist zum Beispiel das Ford Center, ein Bürokomplex, den er als kommunikativen Ort konzipiert und mit einem gigantischen Indoor-Garten ausgestattet hat. Oder das Oakland Museum of California mit seiner alles überwuchernden Grünanlage, bis heute ein Paradebeispiel für die fließende Verbindung von Innen und Außen.

Herausragende Museumsbauten 

Sowieso nimmt die Museumsarchitektur einen besonderen Stellenwert in Roches Portfolio ein. In seiner langen Karriere – man mag es kaum glauben, aber der Mann ist sage und schreibe seit 70 Jahren im Geschäft – hat er für einige Ausstellungshäuser die passenden Räume entworfen und auch große Umbauten betreut. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen, dem Bauingenieur John Dinkeloo, hat er bereits 1967 einen Masterplan zur Renovierung des Metropolitan Museum of Art in New York entwickelt und alle bisherigen Erweiterungen und Neugestaltungen der unterschiedlichen Museums-Flügel durchgeführt. Zu seinen denkwürdigsten Museumsgebäuden gehört aber sicherlich das Museum of Jewish Heritage in New York, dessen dem Davidstern entlehnte Form schon von außen ein Mahnmal für den Holocaust sein soll.

Indoor-Garten im Ford Center. © Salzgeber & Co. Medien GmbH
Ciudad Grupo Santander © Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kevin Roche studierte ein Semester lang bei Ludwig Mies van der Rohe am Illinois Institute of Technology, arbeitete für Eero Saarinen, dessen Erbe er nach Saarinens frühen Tod antrat, und gehört zu den Großen der Szene. 1982 wurde er sogar mit dem als „Nobelpreis für Architekten“ bekannten Pritzker-Preis ausgezeichnet, der in späteren Jahren auch Koryphäen wie Frank Gehry, Norman Foster oder Rem Koolhaas verliehen wurde.

Ein Architekt mit Vorbildcharakter

Mit seiner Dokumentation setzt Mark Noonan dem stillen Architekten Kevin Roche ein sympathisches kleines Denkmal. Sicher passt sein Film auch gut in unsere Zeit, denn von Roches Vorstellungen über Architektur können sich viele eine Scheibe abschneiden. Die Idee von Gemeinschaft und einer demokratischen Gesellschaft war schließlich lange nicht mehr so gefährdet wie heute.

Kevin Roche. © Salzgeber & Co. Medien GmbH